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NWZonline.de Sport

Beruhigungspille mit Risiken und Nebenwirkungen

12.02.2014

Hochleistungssport auf der Piste ist nie schmerzfrei. Hochleistungsfernsehen im Sessel auch nicht. Da zeigt sich die Werbung in ARD und ZDF vollkommen auf der Höhe. Eindringlich stellt die Pharmaindustrie ihre Produkte heraus. Verspannter Rücken vor dem Bildschirm? Der braucht das Mittel mit der Tiefenwärme. Magenkneifen nach langem Sitzen? Einnehmende Hilfe naht.

Diese Sotschi-Spiele bereiten Kopfschmerzen. Wer offen für Begeisterung und informiert über wenig begeisternde Begleiterscheinungen die Fernseh-Aufbereitung verfolgt, gerät in den Zwiespalt. Die Faszination der Bilder überwältigt jeden. Doch sie nähren auch dieses Unbehagen, wissentlich eine Propaganda-Schau nicht nur zu verfolgen, sondern sie auch zu genießen.

Darf man sich ganz einfach daran erfreuen, wenn den Skiakrobaten beim Slopestyle ein „schöner Redslide“ gelingt? Wenn sie einen perfekten „Ninehundred“ hinlegen? Oder wenn dieses kühne Mädchen aus Paraguay, „das wie ein Fisch im Wasser über dem Schnee fliegen will“ und dabei baden geht, über ihr Ausscheiden lachen kann?

Dieses Olympia polarisiert. Es spaltet gerade die Freestyler, die Szene der jungen Sportler. Aus ihrer Richtung war zuvor viel Kritik zu Hintergründen und Hintermännern zu hören. Die Schweizer Snowboarderin Isabel Derungs sagte: „Alles, was man mitkriegt, ist eigentlich schrecklich.“ Aber: „Man will gar nicht alles schauen, weil man sich auf den sportlichen Aspekt konzentriert.“

Der Fernsehzuschauer wird genau auf diesen Ausschnitt konzentriert. Blicke aus anderen Perspektiven bekommt er bis zum 23. Februar kaum zu sehen. ARD und ZDF haben vorher fundierte Dokumentationen gebracht. Sie werden hinterher auch dem kritischen Fazit Raum geben.

Dazwischen walzt diese Großartigkeit der Bilder alles nieder, überrumpelt diese elektrisierende Stimmung der persönlichen Duelle, dieses Atemberaubende der Zeitlupen, diese oft erfrischende Natürlichkeit der Sportler in einer eingezwängten Wettkampf-Welt.

Vom Preis wird weniger gesprochen. Jeder weiß, dass Sport ohne Doping nicht funktioniert. Aber gäbe es ohne Doping keinen Leistungssport? Nein, dann doch lieber Leistungssport mit Doping. Ohne politische Propaganda klappt auch Olympia nicht. Gäbe es ohne solches Propagandastreben aber kein Olympia? Ja, dann doch lieber ein Olympia mit solchen Zugeständnissen. Wer will dieses Dilemma lösen?

Als Zuschauer ist man unzufrieden mit sich selbst. Das ZDF hat es bei seiner Kommentierung der Eröffnungsfeier gespürt: Was soll eure Kritik an dem, was die Russen hier geleistet haben? Warum seid ihr so unkritisch zu diesen Umständen? Sich selbst ertappt man bei Nörgelei: Haben Michael Antwerpes oder Rudi Cerne, die Moderatoren bei ARD und ZDF, nicht gut ausgeschlafen? Könnte nicht deutlicher deklariert werden, was genau live kommt?

Hilft eine Kopfschmerztablette? Achten Sie auf das Kleingedruckte (und im Fernsehen Schnellgesprochene): Beruhigungspillen bergen tückische Risiken und Nebenwirkungen.

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