Hatten - Wie man Menschen mit Behinderungen in die Sportvereine integrieren kann, darüber denken viele Vorstände nach, seit das Thema „Inklusion“ in aller Munde ist. „Wir betreiben Inklusion bereits seit mehr als 30 Jahren“, sagt Margot Siemers, die Vorsitzende der Reha-Sport-Gemeinschaft (RSG) Hatten. „Das Thema wird zukünftig alle Sportvereine beschäftigen“, sagt Kassenwart Hans-Hermann Siemers. „Niemand kann es sich leisten, sich diesem Thema zu verschließen.“

Der Verein, der als Behindertensportgemeinschaft Hatten im Jahr 2009 sein 30-jähriges Bestehen gefeiert hatte, änderte seinen Namen im Jahr 2011, um zu verdeutlichen, dass der Schwerpunkt inzwischen mehr auf Rehabilitation und Gesundheitssport liegt.

Zum Angebot des Vereins gehören Funktionstraining und vor allem die Wasser-Gymnastik, die besonders viele Teilnehmer in Anspruch nehmen – gleichzeitig stehen auch Sportarten auf dem Plan, die nicht unbedingt mit Reha- oder Behindertensport in Verbindung gebracht werden, wie Nordic-Walking, Badminton oder Bosseln. Wie die Bandbreite der Sportarten ist auch die der Einschränkungen unter den Teilnehmern groß. Patienten, die nach Schlaganfall, Herz- oder Krebserkrankungen Reha-Maßnahmen brauchen, sind ebenso im Verein wie Mitglieder mit geistigen Behinderungen oder leichter Demenz.

Der Verein, so Margot Siemers braucht dafür qualifizierte Übungsleiter mit Lizenzen vom Behindertensportverband. Alle 15 Übungsleiter in der RSG arbeiten ehrenamtlich. Die Herausforderungen sind groß: „Unsere Übungsleiter müssen zum Beispiel wissen, wie sie mit einem hörgeschädigten Menschen kommunizieren, der während der Wassergymnastik sein Hörgerät nicht tragen kann“, beschreibt Margot Siemers eines von vielen Problemen, mit denen Übungsleiter in anderen Vereinen nicht oft konfrontiert werden. Groß ist auch die Altersspanne der Übungsleiter, der älteste ist Theo Diekhöfer. Der 74-Jährige war Gründungsmitglied des Vereins, ist seit Beginn im Vorstand und war viele Jahre selbst Vorsitzender. Ältere Übungsleiter im Verein zu haben ist ein Vorteil für viele der älteren Mitglieder, die bei ihren Übungen ein eher gemächliches Tempo schätzen.

Weil es nicht leicht ist, weitere Übungsleiter mit einer Lizenz des Behindertensportverbandes zu finden, diskutiert der Verein auch eine Mitgliedschaft im Niedersächsischen Turnerbund (NTB) aus dessen Bereich. „Wir haben ohnehin bereits einige Sportarten, die in den Bereich des NTB gehören“, sagt Hans-Hermann Siemers.

Die Teilnehmer, sagt Margot Siemers, profitierten in vielfältiger Hinsicht vom Sport im Verein. Besonders bei den älteren Männern und Frauen helfe er, körperlich und geistig fit zu bleiben. Die Mitgliedschaft habe aber auch eine soziale Komponente. Die zeige sich unter anderem dann, wenn Ehepartner von Mitgliedern sterben. „Oft ist der Sport bei uns die erste Aktivität, die sie dann wieder aufnehmen, auf ihren Sport wollen sie einfach nicht verzichten.“

Rund 400 Mitglieder hat die Reha-Sport-Gemeinschaft, eine Zahl, die der Vorstand gerne halten will. Das geht allerdings nur, wenn genügend Sportstätten zur Verfügung stehen. Die RSG könne zum Glück teilweise Schulräume nutzen, wichtigster Raum ist aber das Hallenbad. Während der Sanierung weicht die RSG in eine Sandkruger Physiotherapiepraxis mit eigenem Becken aus. Auf Dauer sei das Hallenbad aber unverzichtbar. „Es ist ein Segen, dass die Gemeinde es saniert“, sagt Margot Siemers