BLEXEN - BLEXEN - Blinder Alarm in Blexen: Die vermeintliche Bombe entpuppt sich gestern als Rest einer alten Spundwand. Kurz vor 13 Uhr gibt Einsatzleiter Tomas Hauschild vom Kampfmittelbeseitigungsdienst (KBD) Niedersachsen Entwarnung. Eine Evakuierung ist nicht mehr erforderlich. Der Schiffsverkehr auf der Weser muss nicht unterbrochen werden. Alles kann seinen normalen Gang gehen.

Wie die NWZ berichtete, hatten die Sprengstoffexperten aus Hannover auf dem Gelände der ehemaligen Gutehoffnungshütte (GHH) einen Metallkörper aufgespürt. Ein Team des KBD ist zurzeit in Nordenham unterwegs, um mehrere Verdachtspunkte zu überprüfen. Die Untersuchung auf dem Gelände in der Nähe des Fähranlegers ergibt, dass sich der verdächtige Gegenstand in etwa 4.50 Meter befindet. Diese Untersuchung wird mit Hilfe einer Sonde vorgenommen. Die Sonde stellt Anomalien des Magnetfeldes fest, die auf metallische Gegenstände schließen lassen.

Auf dem GHH-Gelände finden die Bombensucher eine solche Anomalie. Die Messung erhärtet den Verdacht, dass es sich um einen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg handeln könnte. Das städtische Ordnungsamt informiert rund 120 Bewohner der Fährstraße, der Lunestraße und der Straße An der Hörne, die innerhalb eines 500-Meter-Sicherheits-Radius‘ wohnen, über die eventuelle Evakuierung.

Gestern heißt es dann: Kommando zurück. Die Stadtbediensteten klappern wiederum die Betroffenen ab, um Entwarnung zu geben. Doch bevor es so weit ist, machen sich die KBD-Leute an die Arbeit. Zunächst wird der Grundwasserspiegel in dem betroffenen Gebiet abgesenkt. Dann macht sich der Bagger an die Arbeit. Schaufel für Schaufel wird das Erdreich ausgehoben. Es werden Schachtringe eingesetzt, die verhindern, dass die Grube einbricht. Vorsichtig nähern sich die Experten dem so genannten „Störkörper“. „Bis in eine Tiefe von drei Metern arbeiten wir maschinell“, sagt Tomas Hauschild. „Anschließend geht es mit dem Spaten weiter.“

Zur Mittagszeit steht der 41-Jährige in einem Schlammloch. Er kann den Metallkörper ertasten. „Kein Zweifel – das ist keine Bombe.“ Anhand der Form schließt der Sprengmeister auf eine alte Spundwand.

Das Loch schütten seine Mitarbeiter noch am Nachmittag wieder zu. Sie packen ihre Sachen ein. Ihr Einsatz in Nordenham ist aber noch nicht beendet. Noch gibt es zwölf weitere Verdachtspunkte in Nordenham, die nach und nach abgearbeitet werden müssen. Allerdings sind schwere Eingriffe in das Erdreich wie in Blexen nur dann erforderlich, wenn Messungen mit der Sonde den Verdacht erhärten, dass eine Bombe im Boden liegt.

Der KBD ist in Niedersachsen mit drei Teams unterwegs. Die Verdachtspunkte ergeben sich aus Luftaufnahmen, die die Alliierten vor und nach ihren Bombenangriffen gemacht haben. Hin und wieder gehen die Fachleute auch Hinweisen von Zeitzeugen nach.

Den Kampfmittelbeseitigungsdienst gibt es seit 1960. Erst vor zwei Wochen gab es ein Jubiläum. In Hannover wurde die 10 000 Bombe aufgespürt und unschädlich gemacht.

Tomas Hauschild, der seit Februar vergangenen Jahres für das KBD arbeitet, hat in seiner Dienstzeit 18 Bomben entschärft. „Angst habe ich nicht“, sagt der Vater von zwei Kindern. „Aber Respekt haben wir hier alle. Schließlich wissen wir, womit wir es zu tun haben.“