BÖSEL - Integration passiert nicht von alleine. „Man kann sich nicht hinsetzen und darauf warten, dass es von allein läuft. Man muss am Leben teilnehmen, zeigen, dass man hier auch leben möchte.“ Salah Moussa ist einer, der es wissen muss. Denn seine Geschichte und die seiner Familie sind Beispiel für gelungene Integration. „Wir sind Ur-Böseler“, sagt der 41-Jährige. Und das sagt er nicht einfach nur so dahin, er empfindet Bösel als Heimat. In Bösel will er sein, will er gestalten, diskutieren, sich entwickeln.
Salah Moussa ist gebürtiger Libanese. 1986 ist er gemeinsam mit seinen Eltern vor dem Bürgerkrieg im Libanon geflüchtet. Die Familie kam ins Flüchtlingslager Friedland und wurde von dort aus nach Bösel verwiesen. „Ich hab’ erst gedacht, ich wäre am Ende der Welt. Wir kamen schließlich aus einer Großstadt“, erinnert sich Salah Moussa.
Die Familie sei in Bösel sehr gut aufgenommen worden: „Auf Anhieb passte hier alles, wir hatten sehr nette Nachbarn.“ Damals konnte Salah Moussa allerdings noch kein Wort Deutsch: „Ich hab’ mich am Anfang nur darauf konzentriert, die Sprache so schnell wie möglich zu lernen.“
Fußballverrückte Familie
Fünf Jahre später verließen die Eltern von Salah Moussa Deutschland wieder und kehrten in ihre Heimat zurück – ihr Sohn blieb in Bösel. Er hatte zwischenzeitlich seine Frau Schadiya kennengelernt. Ihr erster Sohn, Marcel, war zu diesem Zeitpunkt schon geboren. Er ist heute 21 Jahre alt und studiert in Emden. Er hat noch vier Geschwister: Samy (17), Dunja (11), Leyla (7) und Jasmin (2) – eine Großfamilie also. Fremdenfeindlichkeit hat die Familie in Bösel nie erlebt. „Wirklich in keiner Minute“, sagt Schadiya Moussa: „Wir gehörten dazu.“
In Bösel fühlen sich alle Moussas wohl: „Wir spielen alle Fußball“, erzählt Dunja. Die Jungs, die Mädchen, der Papa. Selbst die zweijährige Jasmin will schon mitkicken, nur Mama Schadiya hält sich bei diesem Hobby raus. Salah Moussa ist Trainer beim SV Bösel und betreut eine Fußball-AG in der Schule.
Stehen Spiele der deutschen Fußballnationalmannschaft an, steht die Familie Kopf: Bei großen Turnieren ist das Haus der Familie mit Deutschlandfahnen geschmückt. „Wir sind die lautesten Fans in der ganzen Straße“, so der 41-Jährige, der ansonsten Werder-Fan ist.
Vor anderthalb Jahren eröffnete Moussa seinen Kiosk in Bösel. Der hat sich zu einer Anlaufstelle für viele Böseler entwickelt: Dort tauscht man sich beim Brötchenkauf über Klatsch und Tratsch ebenso aus wie über Politik. Und irgendwann wurde Salah Moussa darauf angesprochen, ob die Politik nicht etwas für ihn wäre.
Politik macht Spaß
Bei der Kommunalwahl im vergangenen September trat er an und zog für die Bürgerfraktion in den Rat ein. „Es reicht nicht, einfach immer nur über etwas zu reden. Wenn man etwas ändern will, muss man mehr tun, man muss sich einbringen.“ Es mache ihm Spaß, er kriege viel mit: „Die Leute sprechen mich an.“ Ein wichtiges Thema für ihn: Bösel braucht ein Altenwohnheim, einen Ort, an dem sich ältere Menschen wohlfühlen.
Auf die Frage hin, ob er noch etwas Wichtiges über Bösel sagen möchte, erklärt Salah Moussa: „Bösel ist unsere Heimat, hier hab’ ich mein Leben gelebt.“
