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NWZonline.de Sport

Film erinnert an hinterhältiges Attentat

22.03.2018

Bonn Wer sich in den 1990er Jahren auch nur entfernt für Sport interessiert hat, hat dieses Bild noch vor Augen: Eine junge Frau in einem engen weißen Kleid sitzt weinend auf dem Boden und hält sich das Knie. Sie schreit um Hilfe, fragt auf Englisch alle um sie herum kreischend nach dem Warum: „Why?“. 24 Jahre ist es inzwischen her, dass am 6. Januar 1994 das Bein der Eiskunstläuferin Nancy Kerrigan mit einer Eisenstange zertrümmert wurde.

Gegenstück zum Opfer

Später stellte sich heraus, wer mutmaßlich hinter diesem Anschlag steckte: Tonya Harding, Teamkollegin und Widersacherin der glorifizierten Kerrigan. Harding, mit blonden Haaren und aus einfachen Verhältnissen im Süden des Landes, wurde von den Medien stets mit einem dicken Pinselstrich Proletentums gezeichnet. Sie war in der öffentlichen Erzählung das perfekte Gegenstück zu ihrem Opfer, dem dunkelhaarigen, filigranen und als liebenswürdig beschriebenen „All American Girl“ aus dem wohlhabenden Nordosten der USA. Die böse Film-Satire „I, Tonya“ rollt den schlagzeilenträchtigsten Sportskandal der USA mit exzellenten Schauspielern nun neu auf.

Über die Sportlerin würde niemand mehr sprechen, wenn es jetzt nicht diesen Film gäbe, der ab 22. März im Kino startet. Der Drehbuchautor Steven Rogers und Regisseur Craig Gillespie haben sich daran versucht, etwas scheinbar Unmögliches zu tun: die pseudodokumentarisch verfilmte Lebensgeschichte von Tonya Harding gleichzeitig als realistisches Drama und als Komödie zu erzählen. Das Resultat ist ein emotionales Wechselbad, auch eine Art Biografie des unterprivilegierten Amerikas.

Der ungewöhnliche Stil des Films wird gleich zu Beginn durch ein Bekenntnis seiner Urheber verdeutlicht. Auf einer Titelkarte heißt es: „Der Film basiert auf ironiefreien, sich wild widersprechenden und total wahren Interviews mit Tonya Harding und Jeff Gillooly“, dem Ehemann von Harding. Selbstbekenntnisse der unzimperlichen und wenig selbstkritischen Sportlerin, von Margot Robbie mit allem Aplomb einer wandlungsfähigen Darstellerin gespielt, durchziehen den ganzen Film. Die Dramaturgie folgt Hardings Lebensgeschichte von der Kindheit über ihre großen Erfolge auf dem Eis bis in die Hölle der allgemeinen Verachtung.

Ruhm oft unerträglich

Der Film lässt keinen Zweifel daran, dass auch ihre frühe Jugend und die Jahre des Ruhms für Harding oft unerträglich waren. Glaubt man ihm, und es gibt kaum Gründe, das nicht zu tun, so war daran hauptsächlich ihre Mutter schuld, die das Mädchen von klein auf um der Befriedigung ihres eigenen Ehrgeizes in eine Karriere als Eiskunstläuferin getrieben hat.

Nun scheint Tonya Harding durchaus nicht nur Opfer gewesen zu sein. Der Film stellt sie jedenfalls als eine Frau dar, die in jedem Alter bereit und in der Lage war, ebenso unnachsichtig Verachtung und Gewalt auszuteilen, wie sie diese von ihrer Umwelt empfing. Sie war alles andere als die liebliche Eisprinzessin. Auch deshalb hatte sie es bei den Juroren schwer, Sympathie zu finden. Vielleicht war das auch der Grund, warum sie die Gunst des Publikums verlor und schließlich sogar ganz von der Ausübung ihres Sports ausgeschlossen wurde.

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