BONN - BONN - Wenn der Fußball streng wissenschaftlichen Kriterien gehorchen würde, wäre Schalke 04 und nicht Bayern München deutscher Meister 2005. Eine Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) und der Universität Bonn belegt nämlich, dass Bundesliga-Clubs mit reinen Fußballstadien – also solche ohne Laufbahn – eklatante Heimvorteile genießen. Für die gestern veröffentlichte Studie „Sozialer Druck beeinflusst die Entscheidungen von Individuen“ hat Wissenschaftler Dr. Thomas Dohmen 3519 Begegnungen der Fußball-Bundesliga zwischen 1992 und 2003 unter die Lupe genommen.
Eines seiner Ergebnisse: Die Schiedsrichter gestanden zurückliegenden Heimteams in Stadien ohne Laufbahn erheblich mehr Nachspielzeit zu. So hatten Heimmannschaften länger die Chance, den Rückstand noch wettzumachen. In konkreten Zahlen ausgedrückt bedeutet das: Wenn das Heimteam ein Tor zurücklag, verlängerte sich die Nachspielzeit gegenüber der Situation „Heimteam ein Tor vor“ um fast eine Minute – allerdings galt das nur für Stadien ohne Tartanbahn.
War das Spielfeld durch eine Laufbahn von den Rängen getrennt, war die Nachspielzeit dagegen unabhängig vom Spielergebnis. „Wahrscheinlich ist der Schiedsrichter einem höheren sozialen Druck ausgesetzt, wenn sich die Zuschauer direkt am Spielfeld befinden“, so Dohmen.
Dafür, dass sich Schiedsrichter unbewusst dem Zuschauerdruck beugen, spricht eine weitere Beobachtung: Je näher rivalisierende Teams beieinander wohnten, desto geringer fiel die Begünstigung der Heimmannschaft durch den Unparteiischen aus. „Je näher der Gegner, desto mehr Fans fahren zu einem Auswärtsspiel“, erklärt der Wirtschaftswissenschaftler, der am Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) und der Universität Bonn forscht.
Dass die Formel „Echtes Fußball-Stadion gleich deutscher Meister“ nicht aufgeht, macht Bayern München seit Jahren vor. Vielleicht wird’s ab der nächsten Saison sogar noch schwieriger, in München zu gewinnen. In Kürze zieht der Rekordmeister in die neue Allianz Arena um – und die hat keine Laufbahn.
