Le Havre/Oldenburg - Eigentlich war der Rennabbruch bereits beschlossene Sache. Weil keiner der Autopiloten und Kompasse auf der „Seaexplorer“ mehr funktionierte, beratschlagten Boris Herrmann und sein Co-Skipper Will Harris eigentlich nur noch, welchen Hafen sie anlaufen – Lorient in Frankreich oder La Coruna in Spanien. Zwischen den beiden Orten segelte die Malizia-Crew gerade wenige Tage nach dem Start zur Transatlantik-Regatta Jacques Vabre, gedanklich hatten der aus Oldenburg stammende Herrmann und der Brite Harris dem Ziel Martinique bereits den Rücken gekehrt.
Doch dann probierte Herrmann einfach mal etwas aus. „Obwohl alle Anzeigen beim Autopiloten etwas Komisches anzeigten, hab ich einfach den Autopiloten ausprobiert – und der hielt erstmal Kurs“, berichtete Herrmann. Das habe ihm die Chance gegeben, etwas Schlaf nachzuholen, und Harris konnte dann zusammen mit dem Technik-Team an Land die Lösung der Probleme vorantreiben. Ein „ziemlich smarter workaround“ sei das gewesen. Jetzt sei wieder alles in Ordnung an Bord.
Wie es zu dem Ausfall kam, wissen Herrmann und Co. noch nicht. Er hat das Duo aber in jedem Fall viel Zeit gekostet, erklärt Herrmann: „Wir haben uns mehrmals still in die See gelegt, um den Hauptkompass zu kalibrieren“, erklärte der 42-Jährige. Währenddessen legten die Konkurrenten natürlich weiter Seemeile um Seemeile zurück. Der Kompass habe sich einfach ausgeschaltet. „Aber diese Glasfaserkompasse darf man nicht ausschalten, weil sie dann ihre Richtung nicht mehr wiederfinden. Das sind im Prinzip so komplizierte Kompasse wie bei einem Hubschrauber.“ Die Seaexplorer habe zwei Ersatzkompasse, mit denen habe der Autopilot aber nicht steuern wollen. „Was sehr komisch ist, weil wir das natürlich ausgiebig getestet haben und das sonst immer sehr gut funktioniert hat“, beschreibt Herrmann das nächste Rätsel dieser Regatta.
Nun ist das Duo aber wieder im Rennen und lag am Montagnachmittag auf dem zwölften Rang der 34 noch im Rennen befindlichen Imoca-Yachten. Herrmann und Harris gehören zu den zahlreichen Duos, die die südlichere Route eingeschlagen und die Kanaren passiert haben und an der Küste Afrikas entlang in Richtung Kapverden segeln. Zehn Teams versuchen es mit der nördlicheren Route an den Azoren vorbei. Diese erwartet wohl eine heftige Front mit viel Wind und Wellen, während Herrmann bei 20 Knoten und angenehmen Temperaturen gen Süden fliegt.
