Oldenburg/Les Sables-D’olonne - Mit entzündeter Fackel und glücklich winkend ist Boris Herrmann am Donnerstagvormittag über die Ziellinie der „Vendée Globe“ gefahren. Als erster deutscher Segler hat der gebürtige Oldenburger damit die schwerste Solo-Regatta der Welt beendet. Der 39-Jährige benötigte 80 Tage, 20 Stunden, 59 Minuten und 45 Sekunden für die Weltumsegelung und belegte dank einer Zeitgutschrift zunächst den vierten Platz. Nach der Kollision mit einem Fischkutter am Mittwochabend kam Herrmann mit reduzierter Geschwindigkeit wegen der Schäden an seinem Boot um 11:19:45 Uhr im Ziel an. Am Abend wurde er jedoch noch auf den fünften Rang verdrängt. Der Franzose Jean Le Cam kam neun Stunden nach Herrmann ins Ziel, hatte aber mit 16:15 Stunden Zeitgutschrift zehn Stunden mehr als Herrmann.

Den Schreck über den Zusammenstoß mit dem Fischerboot hatte Boris Herrmann nach einigen Stunden überwunden. Doch war dem Solo-Weltumsegler am Donnerstagmorgen bewusst, dass die Chancen bei der Vendée Globe auf einen Podiumsplatz oder sogar den Sieg dahin waren. „Das war der schlimmste Alptraum“, erzählte der gebürtige Oldenburger über die Kollision mit dem Trawler am Mittwochabend.

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Statt bei seiner Vendée-Globe-Premiere gleich Historisches zu schaffen und bei der neunten Auflage des Rennens als erster in die Sieg-Phalanx der Franzosen einzubrechen, segelte der 39-Jährige am Donnerstagmorgen mit seiner Yacht „Seaexplorer - Yacht Club de Monaco“ nur noch um Platz vier. „Ich habe in den Tagen zuvor wie ein Löwe gekämpft. Vielleicht komme ich nie wieder so dicht an einen Podiumsplatz heran?“, sagte Boris Herrmann.

Herrmann hatte am Mittwochabend kurz vor dem Ende der Weltumseglungs-Regatta Vendée Globe großes Pech gehabt. Etwa 160 Kilometer vor dem Zielort Les Sables d’Olonne an der französischen Atlantikküste kollidierte der gebürtige Oldenburger mit einem Fischerboot. Nach Angaben seines Teams blieb Herrmann unverletzt. Allerdings wurde an seinem Boot „Seaexplorer“ auf der Steuerbordseite das Foil beschädigt. Foils sind tragflächen-ähnliche Konstruktionen, die das Boot ab einer gewissen Geschwindigkeit aus dem Wasser heben, um den Widerstand zu verringern und somit die Geschwindigkeit zu erhöhen.

Herrmann setzte die Fahrt mit etwa 14 km/h fort. Zum Zeitpunkt des Unfalls lag er nach 80 Tagen auf seiner Yacht an dritter Stelle und hatte bei seiner Vendée-Globe-Premiere wegen einer Zeitgutschrift von sechs Stunden sogar noch Chancen auf den Sieg.

Zuvor hatte der Franzose Charlie Dalin bereits das Ziel erreicht. Allerdings stand er damit noch nicht als Sieger fest. Denn mehrere Segler hinter ihm erhalten im Ziel noch Zeitgutschriften, da sie Ende November südlich vom Kap der Guten Hoffnung an einer Rettungsaktion teilgenommen hatten. Auch Herrmann durfte daher im Ziel 6:00 Stunden von seiner gesegelten Zeit abziehen.

Ebenfalls wegen einer Zeitgutschrift wurde Yannick Bestaven am Donnerstagmorgen zum Sieger erklärt. Der Franzose erreichte zwar in der Nacht über sieben Stunden nach Dalin das Ziel und kam hinter seinem Landsmann Louis Bureau („Bureau Vallee 2“) als Dritter an. Wegen einer Gutschrift von zehn Stunden und 15 Minuten feierte der 48 Jahre alte Skipper seinen ersten Triumph beim Segel-Klassiker. Damit setzen die Franzosen ihre Siegesserie fort. In allen neun Rennen seit 1989/90 waren sie erfolgreich.

Dalin äußerte im Ziel sein Mitgefühl für Herrmann, als er von der Kollision hörte. Der hatte zuvor wegen der anstehenden Zeitgutschrift sogar noch Chancen auf den Gesamtsieg. Vor der Regatta hatte Herrmann es als „Traum“ bezeichnet, unter die besten Zehn zu kommen.

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Hauke Richters
Hauke Richters Sportredaktion (Leitung)