Kapstadt - Boris Herrmanns Team Malizia ist auf der „Südpolarmeer-Autobahn“ richtig in Fahrt. In der laufenden Königsetappe der Weltumseglungs-Regatta Ocean Race rückte die Crew des aus Oldenburg stammenden Skippers am Dienstag auf Rang drei vor. Angeführt wird das Feld weiter vom Schweizer Team Holcim-PRB. Die Mannschaft von Kevin Escoffier verteidigte am neunten Tag auf See einen souveränen 440-Seemeilen-Vorsprung (ca. 815 Kilometer) auf das französische Team Biotherm erfolgreich. Rund 90 Seemeilen dahinter greift das Team Malizia mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 20 Knoten im Indischen Ozean beim 46. Breitengrad Süd weiter an. „Es ist hart, ungemütlich, macht aber immer noch Spaß“, berichtete Co-Skipper Will Harris, während die „Seaexplorer“ mit Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 30 Knoten durch den Southern Ocean pflügte. Das erschien vor wenigen Tagen noch fraglich, nachdem die Mannschaft einen Riss im Mast ihres Bootes entdeckt hatte. In einem herausragenden Reparatur-Marathon war es den Seglern jedoch gelungen, den Schaden zu beheben. „Wir sind definitiv noch im Rennen und das ist noch lang“, sagte Will Harris.

Auf der „Monster-Etappe“ über 12 750 Seemeilen passieren die Teams alle drei großen Kaps: das Kap der Guten Hoffnung in Südafrika haben sie kurz nach dem Start in Kapstadt Ende Februar hinter sich gelassen, das Kap Leeuwin in Westaustralien kommt bald in Sicht, und das Kap Hoorn am Südzipfel Südamerikas wird passiert, bevor es an der Küste Südamerikans entlang bis zum Ziel im brasilianischen Itajai geht. Die Zielankunft wird in drei bis vier Wochen erwartet.

Zudem fuhren das Team Malizia und die beiden direkten Mitstreiter ein gutes Stück sehr nahe an der Eisgrenze entlang. Diese imaginäre Linie wird von der Rennleitung festgelegt und darf nicht in Richtung Süden überquert werden, sie kann jedoch im Verlauf des Rennens verlegt werden. Sie hat den Zweck, die Rennyachten vor Kollisionen mit Eisbergen zu schützen. Denn manchmal hätten die Teams in der sogenannten „Exclusion Zone“ womöglich bessere Winde und auch die direktere Route. Spitzenreiter Escoffier war dank seines Vorsprungs und besserer Winde nördlicher unterwegs, ist aber nun wieder zur Ideallinie zurückgekehrt und hat deshalb ein kleines bisschen von seinem aufgebauten Polster verloren.

Das lag aber auch an den günstigen Bedingungen auf der „Südpolarmeer-Autobahn“. Hier stellte das derzeit viertplatzierte US-Team 11th hour racing in der Nacht zu Sonntag womöglich einen Geschwindigkeitsweltrekord auf. Die offizielle Bestmarke hat der Brite Alex Thomson mit 539,71 Seemeilen (999,5 Kilometer) aufgestellt. Das beste bislang erzielte Ergebnis der französischen „Charal“ beträgt 588 Seemeilen, wurde aber vom World Speed Sailing Record Council noch nicht ratifiziert. Das US-Team des Skippers Charlie Enright legte am Wochenende 544,63 Seemeilen (1008,6 Kilometer) in 24 Stunden zurück – mit einem Segelboot, wohlgemerkt.

Mathias Freese
Mathias Freese Sportredaktion