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Boris Herrmann segelt um die Antarktis So sieht die Königsetappe des Ocean Race wirklich aus

Da geht’s lang: Boris Herrmann studiert auf der Rennyacht „Seaexplorer“ die Route.

Da geht’s lang: Boris Herrmann studiert auf der Rennyacht „Seaexplorer“ die Route.

Team Malizia/Auriol

Antarktis - Auf der Königsetappe des Ocean Race geht es ziemlich lange so ziemlich nur geradeaus – könnte man zumindest meinen, wenn man sich die klassische Karte anschaut. Die Art Weltkarte, an die wir gewöhnt sind, auf der die Antarktis stets am unteren Rand zu finden ist. Doch in Wirklichkeit segeln der aus Oldenburg stammende Boris Herrmann sowie seine Konkurrenten eher einen sehr großen Bogen.

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Fast ein Kreis

Das ist gut zu sehen, wenn man einen ganz anderen Kartenausschnitt wählt, nämlich einen, in der die Erde auch als Kugel dargestellt ist, als Globus – auch wenn es eine kleine Gruppe Menschen gibt, die sich dieser unumstrittenen Ansicht verweigern und glauben, die Erde sei flach. Auf dieser Karte aber wird deutlich: Herrmann und Co. segeln um die Antarktis herum – nicht ganz, aber doch zu einem großen Teil. So ist die theoretische Ideallinie (die aufgrund der wechselnden Winde meist nicht wirklich die Ideallinie ist) der „Monster-Etappe“, die von Südafrika vorbei an Australien und dann weiter um das Kap Hoorn in Südamerika führt, ca. 23 600 Kilometer lang. Der kürzere Weg zwischen dem Etappen-Startort Kapstadt und dem Zielort Itajaí in Brasilien beträgt dagegen nur 6400 Kilometer – man müsste dafür nur „andersrum“ segeln, also durch den Südatlantik. Genau das wird wohl Herrmanns Konkurrent Benjamin Dutreux tun, der mit einem Rumpfschaden die dritte Etappe früh abgebrochen hatte, die vierte aber wieder mitsegeln will. Diese startet am 23. April in Itajaí.

Die Exklusionszone

Selbst der Weg um die Antarktis könnte deutlich kürzer sein, doch die Yachten müssen außerhalb der rund um die Antarktis liegende, von der Rennleitung des Ocean Race festgelegten Exklusionszone bleiben. In dieser Zone besteht erhöhtes Risiko, mit Eisbergen zu kollidieren, zum Schutz der Yachten ist das Segeln hier also verboten. Mit Blick auf die Karte wird jedoch deutlich, warum die Skipper gerne so dicht wie möglich an diese Zone heransegeln und sich meist zwischen der Ideallinie und der Exklusionszone bewegen: Sie segeln damit sozusagen in der Innenkurve, die Strecke ist dort einfach kürzer.

Die Zwischenwertung

Aber auch ohne Verbotszone wäre die Möglichkeit zur Abkürzung begrenzt – wegen der Zwischenwertung. Diese liegt nicht einfach nur etwa auf halber Strecke, wie es auf der klassischen Karte aussieht, sondern etwa in der größtmöglichen Entfernung sowohl vom Start als auch vom Ziel. Sie ist fast schon eine Art Wendepunkt – ab dort geht es zurück. Herrmanns Team Malizia lag nach einigen Reparaturen kurz nach dem Start lange auf dem vierten Platz, holte dann aber auf und sicherte sich beim Durchqueren des Wertungstors südlich von Tasmanien in der Nacht zu Montag den zweiten Platz und damit vier Punkte. Inzwischen hat Herrmann auch den Rückstand auf Kevin Escoffier, der schon einmal deutlich mehr als 1500 Kilometer betrug, aufgeholt und kämpft derzeit mit um den Etappensieg.

Der Betrugsversuch

Apropos abkürzen: Das versuchte einst der britische Segler Donald Crowhurst bei einer der ersten Weltumseglungsregatten Ende der 1960er Jahre mit Start und Ziel in England. Weil er nicht so schnell segelte wie erhofft, beschloss er, die Südroute um das Kap der Guten Hoffnung, durch das Südpolarmeer und um das Kap Hoorn zurück gar nicht in Angriff zu nehmen, sondern stattdessen im Atlantik zu warten und mithilfe gefälschter Positionsübermittlungen die Weltumsegelung vorzutäuschen – was ihm eine Weile gelang. Er führte sogar ein falsches Logbuch. Damals gab es noch kein GPS – und auch keine Zwischenwertung auf halber Strecke. Wohl aus Angst, des Betrugs überführt zu werden, drehte er aber offenbar durch. Sein Trimaran wurde im Nordatlantik gefunden, von ihm fehlte jede Spur. Über seine Tragödie wurden mehrere Bücher geschrieben.

Was zählt eigentlich als Weltumsegelung?

Was genau eine Weltumseglung ist, ist recht klar definiert. Im Jahr 2010 segelte die damals 16-jährige Australierin Jessica Watson als bis dahin jüngste Einhandseglerin ohne Zwischenstopp um die Welt – oder zumindest fast. Von Sydney in Australien aus nahm sie fast die Route der aktuellen Ocean-Race-Königsetappe, am Kap Hoorn, Kap der Guten Hoffnung und Kap Leeuwin vorbei zurück nach Sydney. Sie erfüllte die für eine Weltumsegelung geforderten Bedingungen, alle Längengrade einmal sowie den Äquator zweimal zu überqueren, indem sie im Pazifik die nördlich des Äquators gelegene Insel Kirimati umrundete. Dennoch war ihre Route laut internationaler Segel-Föderation Isaf zu kurz. Es fordert 21 600 Seemeilen (40 000 Kilometer), Watson legte knapp 20 000 zurück.

Boris Herrmann hat auf der „Seaexplorer“ weit und breit nur Meer im Blick.

BORIS HERRMANN BEIM OCEAN RACE Auf der „Südpolarmeer-Autobahn“ gibt’s kein Tempolimit

Mathias Freese Claas Hennig (dpa)
Kapstadt
Mathias Freese
Mathias Freese Sportredaktion
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