Oldenburg/Saint-Malo - Fast exakt zwei Jahre nach seinem Start zur Vendée Globe geht es für Boris Herrmann – endlich – wieder allein aufs Wasser. An diesem Sonntag um 13.02 Uhr wird der Hochseesegler aus Oldenburg im französischen Saint-Malo zur Route du Rhum starten, einer Einhand-Transatlantikregatta, die auch nur alle vier Jahre stattfindet – wie das Weltumsegelungs-Rennen Vendée Globe, die am 8. November 2020 gestartet war und in zwei Jahren wieder ausgetragen wird. Und das war es noch längst nicht mit den Parallelen: Wie die Vendée Globe auch wird die Route du Rhum in Frankreich gestartet. Sie ist allerdings deutlich kürzer: Hatte Herrmann für die Weltumsegelung etwas mehr als 80 Tage gebraucht, rechnet sein Team „Malizia“ damit, dass der 41-Jährige in „weniger als zwei Wochen“ am Zielort in der französischen Überseeinsel Guadeloupe im karibischen Meer ankommt.
Viel los in Frankreich
Das scheint durchaus realistisch, denn Herrmann nahm bereits vor vier Jahren an der elften Austragung der Route du Rhum teil und legte die 3540 Seemeilen (ca. 6500 Kilometer) damals in 13 Tagen und 3:47 Stunden zurück. Er wurde damit Fünfter – wie gute zwei Jahre darauf bei der Vendée Globe auch. Sein Rückstand auf den Sieger betrug gute 15 Stunden. Zwei Segler jedoch waren fast doppelt so schnell unterwegs – sie gehörten aber einer anderen Bootsklasse an. Auch in diesem Jahr ist das Rennen nicht nur für Imoca-Segler wie Herrmann, sondern für sechs Klassen geöffnet. Darum starten insgesamt 138 Frauen und Männer in Saint-Malo ins Rennen. Die überwältigende Mehrheit aber kommt aus Frankreich, darunter die drei Schnellsten der Vendée Globe 2020, Yannick Bestaven, Charlie Dalin und Louis Burton. Herrmann ist neben der Deutsch-Französin Isabelle Joschke der einzige deutsche Skipper.
Lesen Sie auch: Vater Moritz erzählt: Wie Boris Herrmann zum Segeln kam
In Frankreich ist das Hochseesegeln deutlich populärer als hierzulande. Das belegen auch zwei weitere Zahlen: Im „Race Village“ in Saint-Malo, also der Messe rund um die Regatta, werden in dieser Woche zehntausende Besucher erwartet. Den Start am Sonntag werden schätzungsweise zwei Millionen Menschen im französischen Fernsehen verfolgen.
Für Herrmann – und viele andere der 37 Imoca-Skipper – ist die Route du Rhum ein erster Schritt zur Vendée Globe 2024 – zumindest ein erster seglerischer. Denn für das bedeutendste Einhand-Segelrennen der Welt muss man sich qualifizieren, und das geht über andere Solo-Hochseerennen. Das Projekt Vendée 2024 begann jedoch bereits mit der neuen Yacht, die im Juli fertiggestellt und im September in Hamburg getauft worden war. Die „Seaexplorer“ heißt wie ihr Vorgängerin – und hat auch sonst einige Gemeinsamkeiten. Eine der auffälligsten sind die roten Foils, so etwas wie Flügel, an den Seiten, die für Auftrieb des Bootes und so für höhere Geschwindigkeiten sorgen – zum Teil fliegen die Boote damit regelrecht über das Wasser.
Probleme an den Foils
An den Foils aber hatte das Team von Herrmann um Co-Skipper Will Harris, das die „Seaexplorer“ in der vergangenen Woche zum Startort segelte, noch ein Problem. In einem Video des „Team Malizia“ ist ein lauter Knall zu hören, der die Skipper zunächst beunruhigte – schließlich waren es nur noch wenige Tage bis zur ersten großen Regatta der Yacht. Doch das Problem konnte flott behoben werden. Jetzt steht Hermanns Härtetest mit seiner neuen Yacht nichts mehr im Wege.
