Alicante/Oldenburg - Allein sein nervt. So lautet die harmlose Übersetzung dessen, was Boris Herrmann vor dem Start des Ocean Race auf die Frage entgegnete, wie er das Segeln mit seinen Co-Skippern im Vergleich zum Solo-Segeln einschätzt – „Loneliness sucks“. Im Gegensatz zur Vendée Globe vor zwei Jahren nämlich, als der in Oldenburg aufgewachsene Herrmann ganz alleine und nonstop die Erde in gut 80 Tagen auf den Weltmeeren umrundete, nimmt er die neuerliche Weltumsegelung, die beim Ocean Race in Etappen vonstatten geht, mit vier Mitstreitern in Angriff. Das ganze Team Malizia, das mehr als 30 weitere Menschen umfasst, hatte indes in den vergangenen Wochen alle Hände voll zu tun. Nun aber geht Herrmann das Rennen auf der umgebauten „Seaexplorer“ zuversichtlich und mit Vorfreude an.
Das ist die Route des Ocean Race. (Grafik: Mediengrafikschmiede)
Die neue Zuversicht
Das war vor einer Woche noch nicht selbstverständlich. Das Team hatte nach der Route du Rhum, bei der Herrmann im November solo über den Atlantik nach Guadeloupe gesegelt war, die Seaexplorer mit beschädigten Foils zurück nach Europa segeln und im Ocean-Race-Startort Alicante neue Foils montieren müssen. Ganz klar ist der Grund noch nicht, aber die Form der eigentlich an der erst im Juli 2022 fertiggestellten neuen Yacht angebrachten Foils habe einen anderen Effekt als den gewünschten gehabt, erklärte Herrmann: „Wir arbeiten mit Prototypen, unser Boot hat eine neue Form. Wenn man neues Terrain betritt, gehören diese Rückschläge dazu.“ Die neuen flügelähnlichen Konstruktionen an den Seiten des Bootes sind erst seit einer Woche fertig. „Wir hatten nur drei Segeltage mit den neuen Foils, aber sie fühlten sich gut an. Wir segeln mindestens so gut wie vorher“, erklärte Herrmann, der mit dem Team am Sonntag das erste von sieben In-port-races im Rahmen des Ocean Race gewonnen hatte.
Das Rennen
An diesem Sonntag (15.30 Uhr/Eurosport) startet die erste Etappe im spanischen Alicante in Richtung Kapverden. Dort beginnt zehn Tage später der zweite Lauf nach Kapstadt in Südafrika, dort wird die längste Etappe durch den Indischen und Pazifischen Ozean nach Südamerika angeschossen. Im April geht es von Brasilien in Richtung USA, im Mai von dort ins dänische Aarhus. Die vorletzte Etappe führt die Crews über eine Durchfahrt durch den Kieler Hafen nach Den Haag in die Niederlande, von wo es am 15. Juni in Richtung Zielankunft in Genua/Italien geht. Dort wird am 1. Juli das letzte In-port-race gesegelt. Neben der Seaexplorer um den Oldenburger Boris Herrmann nehmen vier weitere Boote der Imoca-Klasse teil, unter anderen die Guyot Environmental vom Team Europe mit den Berliner Seglern Robert Stanjek und Phillip Kasüske sowie dem Bremer Felix Diemer als Onboard-Reporter.
Die Pausen
Herrmann selbst wird aber nicht auf allen Etappen an Bord der Seaexplorer sein. Unter anderem wolle der 41-Jährige nicht so lange Zeit von seiner Frau und seiner Tochter weg sein. „Als ich meiner Frau nach der Vendée Globe gesagt habe, dass ich das Ocean Race segeln möchte, sagte sie: ,Du spinnst’. Dann haben wir angefangen zu verhandeln und ich habe gesagt, was wäre, wenn ich jede zweite Etappe segle“, gab Herrmann etwas schmunzelnd einen Einblick in die Entstehung des Plans für die nächsten Monate, der aber noch nicht ganz feststeht.
Das Team
Aber der Wahl-Hamburger beschreibt es auch als „gute Übung“, mal vom Boot zu steigen und das Rennen von außen zu verfolgen. Außerdem vertraue er seinen Co-Skippern Will Harris (28/England) und Rosalin Kuiper (27/Niederlande) sowie Navigator Nicolas Lunven (40/Frankreich). Videos von Bord dreht und liefert zudem Antoine Auriol (38/Frankreich). Ab Sonntag aber ist Herrmann erstmal mit an Bord: „Ich freue mich drauf, mit meinen Teamkollegen zu segeln“, betont er.
