Oldenburg/Les Sables D’olonne - Seit Donnerstagmittag ist Boris Herrmann nach seiner Weltumseglung wieder an Land. Und auch wenn der gebürtige Oldenburger an diesem Wochenende in seine Wahlheimat Hamburg zurückkehrt, bewegt ihn selbstverständlich noch immer das, was er 80 Tage lang auf den Weltmeeren bei der Regatta Vendée Globe erlebt hat. Diese hatte er auf Rang fünf abgeschlossen.
Was hat die Kollision für Folgen?
Am Freitagvormittag telefonierte Herrmann mit der Reederei des spanischen Fischtrawlers, mit dem er am Mittwochabend kurz vor dem Ziel kollidiert war und dadurch eine noch bessere Platzierung verpasst hatte. „Es gibt von meiner Seite aus keine Vorwürfe“, sagte Herrmann unserer Redaktion in einer Videoschalte aus Les Sables d’Olonne, dem französischen Start- und Zielort der Regatta: „Es war einfach ein Unglück.“ Zuvor
hatte der Kapitän des spanischen Schiffes sich in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ gegen den zuvor geäußerten Verdacht gewehrt, an dem Schiff sei das Identifikationssystem AIS, das Kollisionen verhindern soll, nicht eingeschaltet gewesen. „Er hat recht“, erklärte Herrmann nun: „In der Hast der Situation habe ich das als die einfachste und naheliegendste Erklärung wahrgenommen, weil ich schon das ein oder andere Fischerboot gesehen habe, das kein AIS an hatte.“ Ob es nach der Kollision noch eine Untersuchung geben werde und ob Versicherungen einspringen müssten, konnte Herrmann am Freitag noch nicht sagen.
Was passiert mit der „Seaexplorer“?
Das Boot „Seaexplorer“, auf dem Herrmann die Welt umsegelte, soll indes verkauft werden. Es gehört dem Stuttgarter Immobilien-Unternehmer Gerhard Senft, der es Herrmann und dessen „Team Malizia“ für das Vendée-Globe-Projekt zur Verfügung gestellt hatte. „Es ist nicht unüblich, ein Boot nach einer solch großen Regatta zu verkaufen“, sagte Herrmann. Er selber wolle gern in der Imoca60-Klasse, zu der auch die „Seaexplorer“ gehört, weitersegeln. Mit welchem Boot, sei derzeit aber noch offen. Eine Yacht, mit der beim Vendée Globe um den Sieg mitgesegelt werden kann, kostet Schätzungen zufolge mindestens drei Millionen Euro. Unmittelbar nach der Ankunft hatte Herrmann offen gelassen, ob er eine Teilnahme bei der nächsten Auflage 2024/25 anstrebt. Am Freitag erklärte er, bereits darüber nachzudenken.
Gibt es jetzt das Bundesverdienstkreuz?
Das hat der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Niels Annen (SPD), bei der Hamburger Staatskanzlei angeregt. Damit sollen Herrmanns „herausragende sportliche Leistung und zugleich seine gesellschaftlichen Anliegen“ gewürdigt werden. Herrmann reagierte zurückhaltend auf den Vorschlag. Er freue sich aber, dass sein Engagement im Kampf gegen den Klimawandel und für den Schutz der Meere wahrgenommen werde.
