Kuala Lumpur - Für die USA ist der Olympia-Rückzug von Boston ein Debakel, für das IOC ein Ärgernis und für Hamburg eine Chance. „Wir nehmen die aktuelle Entwicklung in den USA mit großem Interesse zur Kenntnis“, kommentierte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), am Dienstag das Aus des amerikanischen Favoriten im Rennen um die Olympischen Spiele 2024. „Sie zeigt, wie wichtig es ist, die Kräfte in der Ausrichterstadt und im Land zu bündeln.“ Deshalb tue man gut daran, sich „voll auf die eigene Bewerbung zu konzentrieren“.

Die Nachricht aus den USA sorgte beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) kurz vor dem an diesem Donnerstag beginnenden 128. Kongress in Kuala Lumpur nicht für Begeisterung. „Es ist beschämend, wenn ein Nationales Olympisches Komitee eine Stadt auswählt und dann unfähig oder nicht in der Lage ist, die nächste Stufe des Wettbewerbs zu erreichen“, schimpfte IOC-Vizepräsident Sir Craig Reedie. Gescheitert ist Bostons Kandidatur an finanziellen Gründen und fehlender Unterstützung der Einwohner. Bürgermeister Marty Walsh wollte die Kandidatur nur unterstützen, wenn sie komplett privat finanziert und kein Steuergeld dafür ausgegeben worden wäre.

IOC-Präsident Thomas Bach reagierte moderat. „Für das IOC war es nur eine amerikanische Bewerbung vom Nationalen Olympischen Komitee (Usoc)“, sagte er und hofft, dass die USA Ersatz finden. Bis zum Meldeschluss am 15. September muss eine Alternative her. Als Favorit gilt Los Angeles, Schauplatz der Spiele 1932 und 1984.

Die Chancen von Hamburg auf einen Zuschlag haben sich indes erhöht. Mehr aber nicht. Sollte Los Angeles für Boston einspringen, wäre die kalifornische Metropole ein starker Ersatzkandidat. Außerdem wollen Rom, Paris, Budapest und möglicherweise auch Toronto um die Spiele 2024 buhlen. Für Hamburg gibt es zudem noch eine Hürde: Beim Referendum am 29. November müssen die Hanseaten Ja oder Nein zu Olympia sagen.

„Mit dem Rückzug Bostons ist wohl der härteste Konkurrent aus dem Rennen“, meinte Sportstaatsrat Christoph Holstein forsch. Dagegen fühlen sich Hamburgs Olympia-Gegner bestätigt. „Boston hat nicht aus Angst vor Hamburg zurückgezogen oder weil die Stadt nicht in der Lage wäre, Olympische Spiele auszurichten“, sagte der Sportpolitische Fraktionssprecher der Hamburger Linken, Mehmet Yildiz. Sondern weil die Menschen erkannt hätten, dass die Stadt in ein „enormes finanzielles Desaster“ geschlittert wäre.