BOSTON/OLDENBURG - Seinen 27. Geburtstag wird Boris Herrmann nicht mehr vergessen – und sehr viele Segelsportfreunde in Deutschland auch nicht. Mit seinem zweiten Platz bei der ältesten Einhand-Regatta der Welt hat sich der Oldenburger völlig überraschend in die Geschichtsbücher der legendären „Artemis Transat“ eingeschrieben.
17 Tage, zwölf Stunden, neun Minuten und 47 Sekunden nach dem Start im englischen Plymouth und knapp 4500 Kilometern auf dem Nordatlantik kreuzte der studierte Wirtschaftswissenschaftler mit seiner „Beluga Racer“ in der Nacht zu Donnerstag um 3.09 Uhr deutscher Zeit (21.09 Uhr Ortszeit) im amerikanischen Boston die Ziellinie. Nur die italienische Segellegende Giovanni Soldini, die die Transat schon fünfmal erfolgreich absolviert hat, war in dem oftmals von Schwachwinden geprägten Rennen mit ihrer „Telecom Italia“ 14 Stunden schneller.
„Ich habe euch ja schon vor dem Start gesagt, dass der Kerl auf der Beluga gefährlich ist“, hatte der italienische Routinier schon gegenüber der Wettfahrtleitung seinen Respekt vor der Leistung seines ärgsten von insgesamt zehn Konkurrenten zum Ausdruck gebracht. Auch bei der Ankunft von Herrmann ließ es sich Soldini nicht nehmen, seinem Verfolger persönlich zu dessen Überraschungscoup zu gratulieren.
Schließlich dominieren die Briten und Franzosen seit Jahren die Hochseeszene im Einhand-Segeln. In Herrmann hat sich nun erstmals ein Deutscher geradezu sensationell in den Fokus gesegelt – noch dazu bei seinem Debüt im Hochsee-Regattasport. Vor allem der Zweikampf des Oldenburgers mit dem drittplatzierten Thierry Bouchard (Mistral Loisirs) hatte die Segel-Fangemeinde tagelang in Atem gehalten.
Dem Oldenburger selbst waren die kräftezehrenden, von viel Nässe und Kälte sowie wenig Schlaf geprägten Wochen direkt nach der Zielankunft kaum anzumerken. Zu groß war die Freude über das Erreichte und die Glückwünsche mit Blumen und Champagner von einigen an Land mitfiebernden Deutschen, darunter seine Freundin Meike Schomäker.
Diese hatte sogar das Privileg, nach Herrmanns Zieldurchfahrt gemeinsam mit einem Mitglied der Rennleitung noch vor der Ankunft am Steg des Corinthian Yacht Clubs in Marblehead/Boston an Bord des 40-Fuß-Schiffes „Beluga Racer“ zu dürfen.
Bis zur offiziellen Preisverleihung an diesem Freitag um 16.30 Uhr Ortszeit hat der Oldenburger nun genügend Zeit, sich von den Rennstrapazen zu erholen und das zu tun, was ihm in den vergangenen 17 Tagen nur maximal eine Stunde am Stück vergönnt war: schlafen.
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