BRAKE - Wolfgang Wiechmann, zweiter Vorsitzender des HSV-Fanclubs „Dolle Raute“, deutete es bei seiner Begrüßung des Hamburger Bundesliga-Trainers Martin Jol bereits an: Von einer „besonderen Beziehung“ war die Rede und der niederländische Fußballlehrer nahm diesen sprichwörtlichen „Ball“ sofort auf.

„Die Kirche, an der wir auf dem Weg hierher vorbei gekommen sind, kam mir doch gleich so bekannt vor. In der hat damals meine Schwester geheiratet“, erzählte Jol und die rund 60 HSV-Anhänger in der Braker Brasserie lauschten gespannt seinen Ausführungen.

Er und sein ebenfalls anwesender Bruder Cornelis, seines Zeichens Assistenz-Trainer beim Hamburger SV, seien noch kleine Jungs gewesen, als die ältere Schwester von einem Braker „entführt“ worden sei. „Das ist aber mittlerweile auch schon 42 Jahre her“, so der 52-Jährige.

Mehrere Sommer hätten Martin und Cornelis Jol dann in dem „sehr schönen Dorf“ namens Golzwarden bei ihrer Schwester verbracht. Später bewohnte diese mit ihrem damaligen Mann ein Haus am Kiebitzring.

Zweifelhafte Erinnerungen hegen beide an die ehemalige Diskothek „Apollo“, in die es sie damals gelegentlich verschlagen habe. „Das war schon ein ziemlich düsterer Schuppen“, weiß Cornelis Jol zu berichten.

„Früher war das hier auch noch alles fest in Werder-Hand“, erinnert sich wiederum Martin Jol, der angesichts des voll besetzten Lokals überrascht war, wie viel Unterstützung sein HSV inzwischen in Brake erfährt. Er brachte dies auch lobend zum Ausdruck und erntete dafür tosenden Applaus von den Fans.

Dies bedeutete aber auch die Überleitung zum eigentlichen Thema des Abends – und zwar dem Fußball, genauer dem des HSV. Und so plauschten Martin und Cornelius Jol natürlich auch gemütlich über das runde Leder, sinnierten bei einem Bierchen über die Vereinsphilosophie des ruhmreichen Hamburger SV und beantworteten geduldig sämtliche Fragen der Anhängerschaft. Anschließend nahmen sich beide auch noch die Zeit, ausgiebig Autogramme zu schreiben.

Es war in der Tat alles andere als ein lästiger Pflichtbesuch und weit mehr als ein einfaches Fan-Treffen für die Gebrüder Jol, das merkte man. Vielmehr war es für sie auch eine ganz persönliche Reise in die Vergangenheit.