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NWZonline.de Sport

„Kluft zwischen Basis und Profis wächst“

13.01.2018

Bremen Fußball ist nicht gleich Fußball: Auf der einen Seite gibt es das Profi-Geschäft, auf der anderen Seite die Basis der Amateur-Vereine. Und dazwischen liegt eine Kluft, die immer größer wird. Das zumindest sagt Autor und Journalist Christoph Ruf, der am Donnerstagabend im Ostkurvensaal des Bremer Weserstadions Thesen aus seinem Buch „Fieberwahn – wie der Fußball seine Basis verkauft“ vorstellte. In der anschließenden Diskussion stimmten ihm Kristian Arambasic, Trainer des Fünftligisten FC Oberneuland, und Hubertus Hess-Grunewald, Präsident des Gesamtvereins Werder Bremen, zu.

Amateurvereine kriegen nur Krümel vom großen Kuchen

„Die Amateurvereine im DFB fühlen sich verarscht und nicht repräsentiert“, sagte Ruf zu Beginn seiner Ausführungen. Gründe dafür gebe es einige. Zum Beispiel, dass von den TV-Geldern – insgesamt mehr als einer Milliarde Euro – satte 98 Prozent an die in der DFL organisierten Clubs in den ersten beiden Ligen gehen, die Amateurvereine aber nur „Krümel“ abbekommen.

Die Profi-Clubs hätten natürlich auch immer höhere Ausgaben, meinte Hess-Grunewald. Neben dem Spieleretat, der mehr als die Hälfte ausmache, müssen unter anderem ein immenser Verwaltungsapparat und steigende Sicherheitsauflagen bezahlt werden. „Zu Champions-League-Zeiten hatten wir 80 bis 90 Mitarbeiter, jetzt haben wir 150“, sagte der Präsident.

Hohe Auflagen für Regionalliga-Aufsteiger

Doch auch die Kosten für Amateurvereine steigen. Ruf berichtete vom SC Spielberg, einem kleinen Verein aus dem gleichnamigen, rund 2800 Einwohner zählenden Karlsruher Ortsteil, der bei seinem Aufstieg in die Regionalliga im Jahr 2015 und einem Etat von etwa 200 000 Euro ganze 80 000 Euro in erhöhte Sicherheitsmaßnahmen wie einen separaten Gästeeingang und Sicherheitspersonal investieren musste.

Ähnlich erging es dem SSV Jeddeloh (Kreis Ammerland), der im Vorjahr in die Regionalliga aufstieg, und separate Spielereingänge und einen eingezäunten Gästeblock errichten musste. Für den Verein eines 1300-Einwohner-Ortes eine hohe Summe.

Kritik an Zerstückelung des Bundesliga-Spielplans

Weiter prangert Ruf übertriebene Strafen an, die auch Vereine in untersten Klassen zahlen müssten, wie zum Beispiel für falsch gekreidete Elfmeterpunkte oder zu spät ins Internet eingetragene Ergebnisse von Jugend-Spielen. „Die Strafen mancher Vereine übersteigen ihre Eintritts-Einnahmen“, kritisiert Ruf.

Dass die Einnahmen mancherorts zurückgehen, daran ist zum Teil auch die DFL Schuld, die die Spiele der ersten und zweiten Bundesliga immer mehr über das ganze Wochenende verteilt. „Die Zerstückelung des Bundesliga-Spielplans ist für uns eine Katastrophe“, sagte Fünftliga-Trainer Arambasic. Sein FC Oberneuland zähle bei Heimspielen am Freitagabend gerne mal 200 Besucher – wenn Werder Bremen jedoch zeitgleich spielt, seien es gerade noch halb so viele.

Fans boykottieren Bundesliga-Arenen

Er selber sei zwar auch Werder-Fan, gehe aber schon seit Jahren nicht mehr ins Weserstadion. „Ich stecke da kein Geld mehr rein, das ist mir zu teuer“, sagt der 40-Jährige. Er schaue sich mit seinen Kindern lieber Jugend-Fußball an – oder ein Eishockey-Spiel der Fischtown Pinguins Bremerhaven.

Damit steht er nicht alleine da. Damit steht er nicht alleine da. Immer mehr Fans boykottieren – entgegen der insgesamt steigenden Zuschauerzahlen in den Arenen – den Stadionbesuch, weiß Ruf. Das Spiel FC Bayern - Hertha BSC sei zuletzt zum ersten Mal seit Jahren nicht ausverkauft gewesen, genauso wie das Derby zwischen Köln und Mönchengladbach an diesem Wochenende.

Und auch Fans von Borussia Dortmund, allen voran das „Bündnis Südtribüne“, kündigten nun an, geschlossen vom ersten Montags-Spiel des BVB gegen Augsburg im Februar fernzubleiben.

„Vereine sollten sich zusammenschließen“

Dass das „Sterben der Vereine“ auf unteren Ebenen trotzdem so weitergeht, sieht auch Arambasic so. Er fordert deshalb, dass sich die Vereine zusammenschließen: zum Einen, um besser Sponsoren finden zu können, und zum anderen, weil die Teams Probleme haben, Jugendmannschaften auf die Beine zu stellen. „Viele Kids wollen heute keinen Leistungsfußball mehr spielen, sie wollen mehr Abwechslung“, meint er.

Überleben werde der Amateurfußball natürlich, aber man müsse ihn vielleicht neu erfinden, meint Arambasic. Dafür müsse man die aktuelle Situation natürlich anerkennen, wie sie ist. Das habe er zum Beispiel beim VfB Oldenburg, den er zu Beginn der Saison 2014/15 für drei Monate trainierte, vermisst. „Die Leute dort leben in Gedanken noch in der Zweitliga-Zeit – die ist aber 20 Jahre her. Das hat mich nicht interessiert, ich war im Jetzt.“

Zu viele Ausnahmen bei „50+1“-Regel

Ein weiterer Kritikpunkt in Rufs Buch ist die „50+1“-Regel– jedoch nicht die Regel an sich, sondern dass es in der Bundesliga zu viele Ausnahmen gibt. Hoffenheim 1899, VfL Wolfsburg, RB Leipzig – und Hannover 96 will hat eine Ausnahme beantragt.

Da stimmt ihm Hess-Grunewald zu: „Es ist ein gnadenloser Wettbewerb, ein Drittel der Clubs spielen nicht mehr nach der ,50+1’-Regel. Wir versuchen, in diesem Konzert so gut wie möglich mitzuspielen – aber nicht um jeden Preis.“

Konkret bedeute das: Investoren, die Anteile an der SV Werder Bremen GmbH erwerben wollen, können das gerne tun – aber was mit dem Geld dann passiert, entscheide der Verein, nicht der Investor. „Das muss hundertprozentig stimmen“, betonte Hess-Grunewald.

„Wir sind alle beteiligt“

Generell sei der „Werder-Weg“ ein anderer als bei vielen Clubs, meinte er, und verwies auf die anderen Sparten Frauen-Fußball, Tischtennis und Schach, in denen die Bremer ebenfalls Erstligisten haben, sowie die Zweitliga-Handballerinnen und natürlich den Breitensport.

Die schlechte Entwicklung, die es zweifelsohne gebe, werde man aber wohl nicht aufhalten können. Das meint auch Ruf: „Die Maschinerie wird weiterlaufen. Aber: Wir sind alle beteiligt“, weist der Autor auf die Macht der Konsumenten hin. Man könnte auch das vierte Auswärtstrikot mal nicht kaufen, oder – wie Arambasic und oder die BVB-Fans – mal nicht mehr ins Stadion gehen. „Wir können zumindest was tun, um die Balance wieder etwas besser hinzukriegen.“

Mathias Freese
Redakteur
Sportredaktion
Tel:
0441 9988 2032

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