BREMEN/FRANKFURT - Die Spieler schlichen mit hängenden Köpfen vom Feld, der Manager redete Tacheles und der Trainer ordnete eine Zusatzschicht an. Nach dem Fehlstart in die Bundesliga-Rückrunde hängt der Haussegen in Bremen schief, Werder-Trainer Thomas Schaaf reagierte mit einer Sondereinheit auf die schwache Leistung beim 0:1 in Frankfurt. Das komplette Team musste am Sonntagvormittag zum Straftraining antreten.
„Ich dachte, wir hätten Lehren aus den letzten Niederlagen gezogen. Aber offenbar bedurfte es eines weiteren Dämpfers. So haben wir nach oben keine Chance. Das war gar nichts“, kritisierte Klaus Allofs. Sachlich und ruhig, aber bestimmt in der Sache, nahm sich der Manager das Team nach der enttäuschenden Vorstellung zur Brust.
Negativserie
„Wir sind nicht mehr bereit, die Dinge zu machen, die uns stark gemacht haben. Wir wollen alles mit spielerischen Mitteln lösen und den Ball ins Tor tragen“, so Allofs. „Bringen wir unsere Stärken nicht ein, sind wir nur eine normale Mannschaft. Dann muss mir keiner was von Potenzial oder magischen Dreiecken erzählen. Das kann man alles vergessen.“
Auch Schaaf war bedient: „Generell stehen wir für eine gute Offensive. Was wir da heute gezeigt haben, war zu wenig. Wir werden nachfragen müssen, warum die Spieler nicht so bissig waren.“ Aaron Hunt gestand ein: „Man kann schon von einer Negativserie sprechen. Wir spielen nicht mehr so schwungvoll.“
Fehlende Tugenden
Vor 45 600 Zuschauern hatte Marco Russ mit seinem Treffer in der 57. Minute Werders dritte Liga-Pleite in Folge besiegelt. Die Bremer (28) spüren jetzt sogar den Atem der Hessen im Nacken, die mit 27 Punkten nun Siebter sind. „Ich bin sehr stolz auf die Leistung meiner Mannschaft, die vor allem defensiv überzeugend aufgetreten ist“, lobte Eintracht-Trainer Michael Skibbe.
Während sein Team über 90 Minuten mit Kampf, Einsatz und Geschlossenheit überzeugte, ließen die Gäste genau diese Tugenden vermissen. „Die Spieler kriegen es im Moment nicht hin, immer wieder an die Grenzen zu gehen. Das ist der Mannschaft eindringlich weitergegeben worden, aber es ist noch nicht verstanden worden“, rügte Allofs. „Da muss einiges mehr kommen. Wenn wir weiter so spielen, brauchen wir nicht von den internationalen Startplätzen reden“, sagte Abwehrspieler Clemens Fritz.
Obwohl sich Bremen wie schon beim 2:3 zum Saisonstart von Frankfurt düpieren ließ, will Allofs das Titel-Rennen noch nicht aufgeben.
„Vollgas geben“
„Das wäre zu früh. Wir sind auch schlecht in die Hinrunde gestartet und haben eine gute Reaktion gegen Bayern gezeigt“, hofft Allofs auf eine Leistungssteigerung am nächsten Sonnabend: „Darauf arbeiten wir hin. Aber das große Potenzial oder wer von wem umworben wird, das muss man nun mal vergessen und Vollgas geben.“
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