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NWZonline.de Sport

Wie geht es nach dem abstieg in Bremen weiter?: Was jetzt auf Werder zukommt

24.05.2021

Bremen Als die Stille im Weserstadion so lautstark dröhnte wie seit 41 Jahren nicht mehr, als jedes Klappen einer Sitzschale zu hören war, als die meisten seiner Kollegen schnell in die Kabine flüchteten, wollte Theodor Gebre Selassie ganz allein sein. Einsam ging er in Richtung Eckfahne, das Trikot hin und wieder ins Gesicht gezogen oder die Arme in die Seiten gestemmt, nahm er zwischen West- und Nordtribüne des fast menschenleeren Weserstadions Abschied. Nach neun Jahren und 254 spielen in Grün und Weiß geht der 34-jährige Tscheche zurück in die Heimat - und mit ihm verschwindet „sein“ SV Werder aus der ersten Fußball-Bundesliga.

Gebre Selassies Abschied aus Bremen ist einer von vielen, die nach dem zweiten Abstieg der Vereinsgeschichte in den nächsten Tagen und Wochen folgen werden. Etablierte Spieler werden gehen, eher unbekanntere, kostengünstige Talente kommen - die Führungsetage aber will bleiben. Egal, ob Sportchef Frank Baumann, Aufsichtsrats-Boss Marco Bode oder Vereinspräsident Hubertus Hess-Grunewald: Sie alle redeten nach dem grün-weißen Absturz-Schock am Samstag davon, nun schnell einen neuen Trainer finden und eine Mannschaft zusammenstellen zu wollen, mit der der Wiederaufstieg in der 2. Liga möglich sein soll.

„Wir haben keine Zeit zu verlieren. Es müssen jetzt schnell, aber auch sorgfältig Entscheidungen getroffen werden“, sagte Baumann, an dem sich die Fan-Wut entlud. „Baumann raus“-Rufe hallten von der Franz-Böhmert-Straße ins Stadion, wo der Ex-Profi mit blassem Gesichtsausdruck und leicht geröteten Augen nach Erklärungen und Zukunftsperspektiven rang.

Dieser direkte Wiederaufstieg, er muss natürlich das Ziel Werders sein, auch wenn die finanziellen Mittel schlicht nicht vorhanden sind, auch wenn es schwer fällt, daran aktuell zu glauben. Zu groß ist ansonsten die Gefahr, nach und nach in Liga zwei zu stagnieren oder sogar weiter durchgereicht zu werden, dort noch kleiner und ärmer zu werden, als es der Verein in den vergangenen Jahren ohnehin schon geworden ist. Der Hamburger SV ist direkt nebenan das beste Beispiel, wie schwer es wird. Hannover 96 auch. Der 1. FC Kaiserslautern, inzwischen in der 3. Liga um die Existenz ringend, sowieso.

„Es muss auf jeden Fall das Ziel sein, dass wir die Rahmenbedingungen schaffen, dass wir direkt wieder aufsteigen können“, sagte Baumann. Doch eben das dürfte nicht einfach werden. Ein Abstieg kommt für einen Verein nie zu einem günstigen Zeitpunkt, doch Werder trifft er im schlechtestmöglichen Moment. Noch mitten in der Corona-Pandemie, die sämtliche Finanzreserven hat wegschmelzen lassen und den Club finanziell um das Überleben kämpfen lässt.

Bis Ende Juni müssen Transfererlöse her, sonst droht der Abzug von sechs Punkten, weil die Lizenz nur unter Bedingungen erteilt wurde. Das Ziel Wiederaufstieg wäre dann bereits vor dem Saisonstart eine Illusion. Das Problem: Wer aus dieser Mannschaft, die aus den vergangenen zehn Spielen nur einen Punkt holte und die selbst am Samstag noch nicht den Eindruck machte, als habe sie den Ernst der Lage erkannt, soll wirklich großes Geld bringen? Spieler wie Milot Rashica oder Maximilian Eggestein, einst hoffnungsvolle Kandidaten für einen lukrativen Verkauf, haben in den vergangenen beiden Jahren mehr an Wert eingebüßt als der taumelnde Deutsche Fußball-Bund an Sympathien.

Es wartet also eine Herkulesaufgabe auf alle Beteiligten, weshalb die Verantwortlichen auch ausschließen, ihre Ämter zur Verfügung zu stellen. „Ich stelle mich der Verantwortung“, sagte Baumann. „Ich werde nicht einfach hinwerfen“, sagte Bode. „Wer soll denn dann die notwendigen Gespräche führen, wenn nicht die Verantwortlichen?“, fragte Hess-Grunewald.

Und so wird Baumann, der zuletzt mit zahlreichen Transfers daneben lag und zu lange am glück- und letztendlich auch planlosen Trainer Florian Kohfeldt festhielt, die Planungen in Angriff nehmen. Zunächst gilt es, einen neuen Trainer zu finden. Interimstrainer Thomas Schaaf war nur für das Bundesliga-Finale eingeplant gewesen. Bis „Ende Mai, spätestens in den ersten Juni-Tagen“ will Baumann eine Lösung präsentieren. Danach geht es an die Planung des Kaders, in dem alle Spieler mit Ausnahme von Davie Selke, Niklas Moisander und Theodor Gebre Selassie auch Verträge zu stark reduzierten Bezügen für die 2. Liga haben.

Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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