Bremen - Mit ihm soll alles besser werden. Er wird uns aus der Krise führen. Das glauben sowohl die Fans des neuen Werder-Trainers als auch die des neuen Bundesgesundheitsministers Karl Lauterbach. Da mag in beiden Fällen viel Hoffnung mitschwingen, dass „der Neue“ zum Gamechanger wird. Und auch mit medialen Vorschusslorbeeren wurde bei „Karl-Ole Werner Lauterbach“ nicht gespart.

Aber das muss jetzt vielleicht auch mal erlaubt sein. Schließlich hat nicht nur Corona-Deutschland, sondern auch unser Verein mal wieder ein absolutes Seuchenjahr hinter sich und beide brauchen dringend Hoffnungsträger.

Nach den chaotischen letzten Wochen umso mehr. Zugegeben, noch holpert der Vergleich. Der eine lehrte im Hörsaal in Harvard, der andere auf dem Trainingsplatz bei Holstein. Der einer verfällt in rheinischen Singsang, der andere sagt schlicht „Moin“. Und – wichtigster Unterschied: Während der eine noch bei „Markus Lanz“ sein Spielsystem erklärt, hat der andere in Regensburg schon geliefert.

Die Kolumne

„Brille Grün-Weiß“: So lautet der Titel für die wöchentliche Online-Kolumne der Werder-Fans Jan Siegert und Thomas Kuhlmann. Die beiden Journalisten leiden und leben seit Jahrzehnten mit Werder Bremen und sind im Werder-Forum „Worum“ aktiv. Vor einem Jahr starteten die beiden einen Podcast zu ihrem Lieblingsverein. Nun schreiben sie einmal wöchentlich auch eine Fan-Kolumne für die NWZ – und kritisieren knallhart und gleichzeitig leidend positive wie negative Entwicklungen im Verein. Manchmal schreiben sie allein die Kolumne, manchmal auch gemeinsam . Aber Achtung: Bitte nicht alles zu ernst nehmen.

Das 3:2 in Regensburg ist verdammt viel wert. Wir haben gegen einen Gegner gewonnen, der sich - anders als Aue in der Vorwoche – bis zum Ende wirklich gewehrt hat. Und der auch noch früh in Führung geht. Wie oft hat uns so ein Spielverlauf schon gebrochen? Mit oder gerade wegen Ole Werner war das beim Jahn anders. Werder kam zurück mit einer Kombination aus mentaler Stärke, Kampf, Teamgeist und einer echten Spielidee.

Aus aktuellen Anlass würden wir gerne noch was um Fall Kimmich loswerden: Auch Werder-Fans (und wir ganz vorne) sind ja schnell dabei, kübelweise Häme über Bayern München auszukippen. Oft mit guten Gründen. Bei Kimmichs Impf-Geschichte ist es vielleicht besser, ihm erstmal zuzuhören, wie er zu seiner wichtigen Einsicht gekommen ist. Der Junge ist ja nicht doof und jeder ist mal irgendwo falsch abgebogen. Kimmich sagt, er habe auch ein schlechtes Gewissen gegenüber seinen Kollegen gehabt. Er konnte der Mannschaft in wichtigen Spielen nicht helfen. Der fehlende Impfschutz bedeutete erst eine längere Quarantäne-Zeit und dann einen schwereren Corona-Verlauf als nötig gewesen wäre. Jetzt hat der Fall Joshua Kimmich am Ende dieses Seuchenjahres vielleicht ähnliches Hoffnungs-Potential wie „Karl-Ole Werner Lauterbach“: Er könnte ein Gamechanger sein. Wir wünschen Gute Woche, gutes Spiel!