BRETTORF - Die 16-jährige Finnin Laura gewöhnte sich schnell ans Dorfleben. Das Ende ihres Austauschjahrs naht.
von anja rohde
BRETTORF - Sie haben sich nicht wirklich kennengelernt: Die finnische Austauschschülerin Laura Levänen und ihre „Gastschwester“, die 16-jährige Anna Poppen, trafen sich im Sommer des vergangenen Jahres nur wenige Tage. Dann brach Anne für ein Austauschjahr ins amerikanische Wisconsin auf und die gleichaltrige Laura packte bei der Familie Poppen in Brettorf ihre Koffer aus.Seitdem ist Laura heimisch geworden in der ländlichen Idylle, der sie zunächst mit Misstrauen begegnete: „Als ich hörte, dass ich in ein Dorf komme, dachte ich: ,Das geht gar nicht‘“, berichtet Laura. Sie selbst stammt aus der rund 200 000 Einwohner großen Stadt Lahti (sprich: Lachti), die eine Wintersport-Hochburg ist. Doch nun, nach gut acht Monaten in Brettorf, ist sie anderer Meinung: „Es ist viel besser in einem kleinen Ort. Ich kenne alle und alle kennen mich“, sagt sie.
Sie hat viele neue Freunde in ihrer Klasse am Wildeshauser Gymnasium und im Faustball-Verein gefunden, dem sie sich in Brettorf angeschlossen hat. Auch zu ihren Gasteltern Karen und Wilfried Poppen hat sie ein gutes und vertrautes Verhältnis. Und ihrer 13-jährigen „tollen Schwester“ Wiebke erzählt sie alles.
Nicht nur ihr Deutsch sei in den vergangenen Monaten viel besser geworden, sagt Laura. Sie hat auch viel von Deutschlands Norden gesehen und ein Nachbarland bereist: Lübeck, Bremen, die Nordsee und ein Holland-Urlaub in den Herbstferien waren dabei. „Der Urlaub war ein Geburtstagsgeschenk meiner Gasteltern an mich“, berichtet Laura.
Dem immer näher rückenden Ende ihres einjährigen Aufenthalts in Deutschland sieht sie mit gemischten Gefühlen entgegen. Einerseits freut sie sich, ihre Schwester Eeva und ihren Vater wiederzusehen. Andererseits wird es ihr schwer fallen, Abschied zu nehmen, „weil ich mich hier zu Hause fühle“, sagt sie, „ich habe jetzt zwei Familien.“
Dass es kein Abschied für immer wird, dafür hat sie vorgesorgt: „Ich habe alle nach Finnland eingeladen“, sagt Laura. Und eigentlich ist sie sich auch ganz sicher, dass sie wiederkommt. Bei den Deutschen Meisterschaften der Faustballer, die im September im süddeutschen Waibstadt abgehalten werden, will sie die Mannschaften anfeuern. „Da möchte ich gerne zugucken.“
