Cloppenburg/Vechta - „Wie Sie sehen, sehen Sie ihn nicht“, dürfte sich der ein oder andere Verantwortliche des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen am 13. Mai dieses Jahres gedacht haben. 4300 Zuschauer hielten zu einem Zeitpunkt, als die Spekulationen um die Zukunft Claudio Pizarros ihren Höhepunkt erreicht hatten, vergeblich Ausschau nach dem beliebten Torjäger. Der war im Vorfeld des Freundschaftsspiels der Grün-Weißen in Lohne gegen eine Vechtaer Kreisauswahl angekündigt worden, fehlte dann aber. Frank Baumann, damals Assistent der Werder-Geschäftsführung, zeigte sich an dem warmen Frühlingstag noch optimistisch, dass Pizarro den Bremern erhalten bleibe. Wenige Tage später war klar, dass auch Baumann in Zukunft vergeblich nach dem Peruaner in der Werder-Elf Ausschau halten wird. Der wechselte zu Bayern München.

Die 4300 Zuschauer in Lohne sahen auch in Abwesenheit des Torjägers viele Treffer – und Bundesliga-Stars. Clemens Fritz, Aaron Hunt, Naldo und Marko Arnautovic fuhren mit einem 5:0-Sieg im Gepäck nach Hause.

Paul Kosenkow hatte nach dem Spiel vor allem tolle Erinnerungen im Gepäck, von denen er noch seinen Enkeln erzählen dürfte. Lag doch eine schier unglaubliche Woche hinter ihm – eine Woche, in der er sich wie ein Bundesliga-Profi gefühlt haben dürfte. Der in Lohne lebende Rechtsaußen hatte als Teil der Kreisauswahl gegen die Hansestädter ein starkes Spiel gemacht – vier Tage, nachdem er mit dem damaligen Oberligisten BV Cloppenburg die Bundesliga-Prominenz Bayer Leverkusens gefordert hatte.

Und wie der BVC Bayer gefordert hatte. Am Ende des Freundschaftsspiels konnte sich der Fünfte der Bundesliga-Abschlusstabelle im Stadion an der Friesoyther Straße gerade einmal mit 2:1 durchsetzen – und das, obwohl vor 1277 Zuschauern einer der besten Bundesliga-Torjäger aufgelaufen war: Stefan Kießling.

Für das Cloppenburger Tor hatte aber nicht Kosenkow, der inzwischen zum BSV Rehden gewechselt ist, sondern Kapitän Christian Willen in der 78. Minute gesorgt. Ein zweiter Treffer – und damit eine kleine Blamage – blieb Bayer dagegen erspart. Aber gepiesackt hatte der BVC die Gäste ja auch so schon genug, während und vor dem Spiel. Einer der Hauptpreise der Tombola im Rahmen der Begegnung hatte die Bayer-Spieler doch etwas überrascht: ein Werder-Trikot.

Im Oktober waren dann noch einmal zahlreiche Werder Trikots im Cloppenburger Stadion zu sehen – auf und neben dem Spielfeld. Der zweite Besuch der Bremer im Oldenburger Münsterland fiel in den Oktober. Das Team von Trainer Thomas Schaaf forderte in einer Länderspielpause der Bundesliga den Champions-League-Teilnehmer Dynamo Kiew aus der Ukraine.

Gerade einmal 1538 Zuschauer – den bis dahin letzten Auftritt des SVW in Cloppenburg im Oktober 2011 (3:0 gegen den VfL Osnabrück) hatten noch gut 2200 Fans verfolgt – warteten vergeblich auf Tore. Vielleicht, weil Claudio Pizarro zu dem Zeitpunkt längst in München war.

Steffen Szepanski
Steffen Szepanski Redaktion Münsterland (Lokalsport)