CAPPELN - CAPPELN - Dressurreiterin Tanja Lammers hat eine eine Saison auf der Überholspur – fast – hinter sich. Für das, was sie innerhalb von sechs Monaten schaffte, brauchen andere Reiter ein ganzes Leben. Als echter „Nobody“ trat die Amazone im Januar die Nachfolge von US-Dressurstar Lisa M. Wilcox beim Gestüt Vorwerk in Cappeln an. Im Mai erzielte sie im emsländischen Haftenkamp ihren ersten S-Sieg, und beim Landesturnier in Rastede schaffte sie mit Sieg Nummer zehn in der schweren Klasse die Voraussetzung für das Goldene Reitabzeichen. Mittlerweile sind es 21 S-Siege und knapp 50 Platzierungen in der schweren Klasse. „Die Saison war einfach ein Traum, und es ist kaum zu glauben“, verriet Lammers im Gespräch.

Mit dieser Karriere hätte die sympathische Reiterin nicht gerechnet, denn ursprünglich war sie nach Cappeln gekommen, um Lisa M. Wilcox bei der Ausbildung junger Pferde zu entlasten. „Lisa war mein großes Vorbild, und plötzlich war ich für die Hengste zuständig“, so Lammers. Besonders bei den ersten Turnierauftritten hatte die Reiterin eine gehörige Portion Lampenfieber. „Auf den Turnieren wurde Tanja intensiv beobachtet. Kaum einer traute ihr zu, unsere Hengste ähnlich erfolgreich zu reiten wie ihre Vorgängerin“, erzählt Chefin Gudula Vorwerk-Happ. Doch sie hat das schwere Erbe erfolgreich gemeistert.

Zwar startet sie noch nicht in internationalen Grand-Prix-Wettbewerben, aber in S-Dressuren bis zur Klasse Inter I ist sie kaum zu schlagen. Allerdings hat Tanja Lammers ideale Grundvoraussetzungen. Mit Roadster, Jazz Time und Regal Dancer hat sie drei erstklassige Dressurhengste zur Verfügung. Trainiert wird sie von Jo Hinnemann, dem spanischen Nationaltrainer. „Ich habe hier in Cappeln einfach ein großartiges Team und fühle mich wohl“, antwortet sie auf die Frage nach ihrem Erfolgsrezept. Zusätzlich zu den 21 S-Siegen sicherte sie sich 2005 die Goldmedaillen bei den Oldenburger Landesmeisterschaften in Rastede und bei den Weser-Ems Meisterschaften in Cloppenburg. „Die Erfolgsausbeute war 100 Prozent. Mehr war nicht drin“, lobt Vorwerk-Happ.

Derzeit laufen bei Tanja Lammers die Vorbereitungen für das Hallenchampionat in Vechta vom 27. bis 30. Oktober im Auktionszentrum. Sie hat die Veranstaltung in bester Erinnerung, denn hier erzielte sie vor einem Jahr ihre erste S-Platzierung. In diesem Jahr dürfte sie zu den Favoriten beim Kampf um das Goldene Hufeisen der Reiterstadt Vechta gehören. Zwei Wochen später tritt sie bei den Oldenburger Pferdetagen gegen die Stars der Szene an. Und manchmal kann sie das alles selbst nicht fassen: „Es ist schon Wahnsinn, was in einem Jahr so passieren kann.“