Chalon-Sur-Saône - Nur kurz währte die Freude bei Sebastian Machowski. Nach einem 100:97 gegen Tours hatte der Basketballtrainer mit seinem Team ES Chalon-sur-Saône die alleinige Tabellenführung in der zweiten französischen Liga übernommen. Dann der Rückschlag: Der Ex-Oldenburger, von 2012 bis März 2015 für die Geschicke der EWE Baskets verantwortlich, verlor in Rouen mit 92:103 und monierte insbesondere die nachlässige Defensivarbeit. Immerhin: Das 79:73 zuletzt in Evreux hält die Hoffnung auf den Aufstieg lebendig.
Aufstieg als Ziel
Der 50-jährige Machowski ist seit dem Sommer 2021 in Frankreich aktiv und soll den Club aus der 45 000-Einwohner-Stadt nach dem Abstieg im Vorjahr direkt wieder ins Oberhaus zurückführen. „Das ist das klare Ziel“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion während der aktuellen Länderspielpause. Keine leichte Aufgabe angesichts der Konkurrenz, insbesondere der punktgleiche Tabellenführer aus Saint-Chamond erweist sich als mächtiger Widersacher. Das Hinspiel ging mit 69:93 verloren, am 1. April treffen die Teams wieder aufeinander: ein Schlüsselspiel.
„Saint-Chamond war dort nicht zwingend erwartet worden“, erklärt er: „Das ist, als würde in der Bundesliga Crailsheim auf dem ersten Platz stehen.“ 15 Siege aus 20 Spielen: Diese Bilanz haben Saint-Chamond als auch Chalon. Nach der regulären Saison steigt der Erste direkt auf, die acht Teams dahinter bestreiten Playoffs, aus denen ein weiterer Aufsteiger hervorgeht. „Wir wollen das direkt schaffen“, stellt der Ex-Nationalspieler klar: „Im Jahr danach wird es schwerer, dann wird die erste Liga reduziert und es gibt nur einen Aufsteiger.“
Sebastian Machowski wurde am 18. Januar 1972 in Berlin geboren. Als Spieler war er für verschiedene Clubs tätig, unter anderem gewann er mit Alba Berlin den europäischen Korac-Cup und mit dem Mitteldeutschen BC die EuroCup Challenge. Seine Spielerkarriere beendete er bei Kotwica Kołobrzeg in Polen, wo er erst als Spielertrainer und dann als Headcoach verpflichtet wurde. Nach drei Jahren in Braunschweig wechselte er nach Oldenburg, anschließend folgten Engagements in Bremerhaven, China und Polen.
Machowski war nach drei erfolgreichen Jahren in Braunschweig 2012 nach Oldenburg gewechselt. Hier zog er gleich in seiner ersten Saison 2013 ins Bundesliga-Finale ein (0:3 gegen Bamberg) und wurde Trainer des Jahres. 2014 unterlagen die Baskets unter Machowski im Halbfinale gegen Bayern München (2:3), 2015 schließlich musste er den Club im März verlassen.
Über die aktuelle Situation in Oldenburg („Sie werden den Klassenerhalt schaffen“) hat er gerade mit dem neuen Baskets-Trainer Ingo Freyer beim gemeinsamen Kaffee in der Stadt gesprochen. Die beiden blicken auf vier gemeinsame Jahre bei Alba Berlin zurück. In Oldenburg ist Machowski regelmäßig: Seine Frau und die beiden Kinder leben hier.
Im Kader von Chalon steht in Tomislav Gabric übrigens auch ein Akteur, der schon für die Baskets gespielt hat. Er war 2020/2021 nachverpflichtet worden und lief siebenmal für Oldenburg auf.
Rückkehr möglich
In die Bundesliga zurückkehren würde Machowski gerne, wenngleich die Voraussetzungen alles andere als günstig sind: Nur zwei der 18 Clubs, Crailsheim (Sebastian Gleim) und Oldenburg (Ingo Freyer), setzen auf deutsche Trainer. Ein Umstand, der Machowski nachdenklich stimmt: „Es ist schade, dass in der Bundesliga hauptsächlich auf Trainer aus dem Ausland gesetzt wird. Warum das so ist, muss man die fragen, die für die Entscheidungsprozesse verantwortlich sind. Natürlich wünsche ich mir, irgendwann wieder im eigenen Land arbeiten zu können.“ Jetzt gilt die volle Konzentration dem Aufstieg – und einen Vertrag für 2022/2023 hat er in Chalon bereits sicher. „Den würde ich dann gerne in der ersten Liga wahrnehmen“, sagt er schmunzelnd.
