Ahlhorn/Quilpué - „Ivana!“ Wolfgang Spielberger steht im Trainingsanzug auf dem Sportplatz am Schulzentrum Ahlhorn. Gerade hat der Trainer der Kreisliga-Fußballerinnen des ASV eine Übung erklärt, nur Ivana Ubilla Palacios trottet etwas ratlos über den Rasen. „Ivana, du sollst einfach nur Tore machen“, sagt Spielberger. Das versteht sie. Die 18-jährige Chilenin ist seit Anfang Februar als Austauschschülerin in Großenkneten, die Sprache bereitet ihr noch Mühe. Bis Anfang kommenden Jahres soll das anders werden.

Noch in der ersten Woche bat die fußballverrückte Palacios ihre Gastfamilie, ihr eine Mannschaft zu suchen. Wenig später stand sie beim Ahlhorner SV auf der Matte, inzwischen ist sie fester Bestandteil der Kreisliga-Mannschaft. Vor zwei Monaten lief die 18-Jährige noch mehr als 12 000 Kilometer entfernt über einen Fußballplatz in Quilpué, einer 130 000-Einwohner-Stadt mitten in Chile. Dort ist es derzeit abends bis zu 15 Grad warm, in Ahlhorn zeigt das Thermometer gerade einmal fünf Grad. „Ich mag Deutschland“, sagt Ivana Ubilla Palacios, „aber es ist wirklich kalt.“

Im kommenden Jahr will sie in Chile anfangen zu studieren, vorher möchte sie hier Deutsch lernen, auch wenn das für sie schwierig sei. Zwar sei ihr Deutsch schon besser geworden, sagt Spielberger. Die Verständigung fällt der 18-Jährigen aber noch schwer.

Auf dem Platz spielt das meistens jedoch keine Rolle. „Sie ist sehr offen“, sagt Mitspielerin Wiebke Heitkamp und ihre Schwester Viola ergänzt: „Auch wenn sie von der Sprache noch nicht so viel versteht, versteht Ivana im Spiel eine Menge.“

Ivana Ubilla Palacios hat mit zehn Jahren angefangen Fußball zu spielen, in ihrer Heimatstadt trainierte sie meistens mit den Männern des Clubs Estudiantes de Quilpé. „In Chile gibt es nicht so viele Mädchen, die Fußball spielen“, sagt sie. Für die sehr junge Ahlhorner Mannschaft ist Palacios eine Bereicherung, vor allem technisch ist sie stark. Am 15. März gab die Austauschschülerin ihr Debüt gegen die Sportfreunde Littel. Dass das überhaupt so schnell möglich war, damit hatte Spielberger nicht gerechnet: „Ich habe befürchtet, dass sie gesperrt wird.“ Schließlich kam die Chilenin außerhalb der Wechselfrist.

Der ASV beantragte trotzdem einen Pass beim Niedersächsischen Fußballverband, der wendete sich an den Deutschen Fußba­ll­­ Bund und der wiederum kontaktierte den chilenischen Verband, die Federación de Fútbol de Chile.

Gegen Littel stand Palacios 35 Minuten auf dem Platz, gegen den BSV Benthullen eine Woche später spielte sie durch. Eigentlich spielt sie im zentralen Mittelfeld, Spielberger setzt die 18-Jährige derzeit im Sturm ein. „Auch wenn sie dafür etwas schneller sein könnte“, sagt der Trainer und lacht. Für die Position hinter den Spitzen ist die Sprachbarriere noch zu groß. „Was sie vorne machen soll, kann ich ihr besser erklären“, meint Spielberger.