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NWZonline.de Sport

Nwz-Interview Mit Wolfgang Rolff: China nimmt deutsche Stars in den Blick

24.12.2016

Oldenburg  – 

Frage: Sie haben die vergangenen Monate in China verbracht. Wird in der Familie Rolff an Weihnachten mit Stäbchen gegessen?

Wolfgang Rolff (56): (lacht) Da muss ich Sie enttäuschen. Wir verbringen die Feiertage mit den Eltern und Schwiegereltern. Das Weihnachtsessen wird klassisch deutsch ausfallen – ganz ohne asiatische Einflüsse.

Frage: Die Saison in Chinas erster Liga ist Anfang November zu Ende gegangen. Sie waren dort seit Juli als Co-Trainer von Felix Magath in Jinan bei Shandong Luneng tätig. War es schwer, sich als Deutscher im Reich der Mitte einzuleben?

Rolff: Überhaupt nicht. Die Menschen in China sind sehr gastfreundlich und hilfsbereit – ich habe mich dort schnell wohlgefühlt. Sportlich haben wir bei Shandong Luneng optimale Bedingungen vorgefunden. Der Club ist sehr professionell aufgebaut, es gibt sechs Trainingsplätze und ein eigenes Leistungszentrum – so wie in Deutschland bei Bayern München oder Borussia Dortmund.

Früher schon in Kuwait und Aserbaidschan gearbeitet

Wolfgang Rolffs Verein in China ist in der Stadt Jinan beheimatet. Jinan hat rund sechs Millionen Einwohner und ist die Hauptstadt der Provinz Shandong im Osten des Landes. Der Fußballverein ist nach der chinesischen Firmengruppe Shandong Luneng benannt, die Besitzer des Clubs ist. Dreimal wurde Shandong Luneng chinesischer Meister, zuletzt 2010.

China ist für Rolff nicht die erste Station in einem Fußball-Entwicklungsland. Der 56-Jährige, der in Lamstedt (Kreis Cuxhaven) geboren wurde, war auch schon in Kuwait und in Aserbaidschan tätig. Viel Zeit seiner Karriere als Co-Trainer verbrachte Rolff an der Seite von Thomas Schaaf. Das Duo arbeitete bei Werder Bremen, Eintracht Frankfurt und Hannover 96 zusammen.

Frage: Trotzdem hat Shandong die Liga nur auf dem drittletzten Platz beendet.

Rolff: Na ja, dazu muss man wissen, dass die Mannschaft Letzter war, als Felix Magath im Juni verpflichtet wurde. Einen Monat später hat Felix mich dazu geholt. Mit uns hat die Mannschaft dann noch 18 Punkte geholt und so den Klassenerhalt geschafft. Das war absolut okay. Etwas enttäuschend war, dass wir in der asiatischen Champions League im Viertelfinale gegen den FC Seoul ausgeschieden sind – da hatten wir uns mehr ausgerechnet.

Frage: Zu Ihrem Club wechselte im Sommer in Graziano Pellè ein italienischer Nationalstürmer, der zuvor noch bei der EM gespielt hatte. Pellè soll rund 15 Millionen Euro gekostet haben. Jetzt wechselt der Brasilianer Oscar gar für stolze 70 Millionen vom FC Chelsea nach Shanghai. Woher haben die Chinesen das ganze Geld?

Rolff: Die meisten Clubs gehören schwerreichen Unternehmern oder großen Firmen. Für die ist es auch eine Sache des Prestiges, wenn sie einen Star aus Europa in ihr Team holen können. Zudem gibt es die Einnahmen aus der Champions League oder den TV-Geldern – hier wurde gerade erst ein neuer Rekord-Vertrag abgeschlossen.

Frage: Bisher ist Chinas Transferoffensive vor allem auf südamerikanische Stars aus der englischen Premier League ausgerichtet. Wann wird der erste deutsche Nationalspieler in China spielen?

Rolff: Ich denke, dass es in zwei oder drei Jahren soweit sein wird. Vielleicht auch schon nach der WM 2018 in Russland.

Frage: Welche Spieler kommen Ihnen da in den Sinn?

Rolff: Toni Kroos zum Beispiel. Oder Marco Reus – der würde mit seiner Spielweise optimal in diese Liga passen.

Frage: Was würde einem Kroos oder Reus in der Chinese Super League erwarten?

Rolff: Die Stimmung in den Stadien ist super, bei Shandong hatten wir einen Zuschauerschnitt von 23 000. Spielerisch herrscht aber noch ein gewaltiger Unterschied zu den europäischen Spitzenligen. Es gibt den Dauer-Meister Evergrande und vielleicht noch ein, zwei andere Clubs – der Rest würde es schwer haben, in der Bundesliga mitzuhalten.

Frage: Chinas Staatspräsident Xi hat erklärt, dass China spätestens 2030 die WM ausrichten und dann am besten auch schon Weltmeister werden will. Ist das realistisch? In der Fifa-Weltrangliste belegt Chinas Nationalmannschaft derzeit Platz 82.

Rolff: Aktuell ist das Niveau der chinesischen Spieler recht schwach. Die große Frage ist, was jetzt in der Jugendarbeit passiert. In diesem Bereich will man 50 Milliarden Euro investieren. Es sollen im gesamten Land Leistungsstützpunkte für die besten Nachwuchsspieler gebaut werden. Wenn das Programm richtig umgesetzt wird, könnte es vielleicht in fünf Jahren schon erste Früchte tragen.

Frage: Mit Ihnen als Entwicklungshelfer?

Rolff: Mal sehen. Mein Vertrag bei Shandong Luneng läuft noch bis 2018, allerdings muss man hier als Trainer auf alles gefasst sein. Die Clubbesitzer wollen Erfolge sehen – wenn die sich nicht schnell genug einstellen, bist du als Trainer ganz schnell wieder weg vom Fenster. Stand jetzt gehe ich aber davon aus, dass ich auch in der nächsten Saison hier arbeite.

Frage: Falls nicht, könnten Sie es ja mal wieder gemeinsam mit Thomas Schaaf in der Bundesliga versuchen.

Rolff: (lacht) Von mir aus gern. Wenn Thomas einen Job angeboten bekommt und mich wieder dabei haben will, wäre ich bereit.

Frage: Glauben Sie denn, dass Schaaf nach der verkorksten Zeit bei Hannover 96 überhaupt noch wieder ins Trainergeschäft zurück möchte?

Rolff: Thomas und ich stehen in ständigem Kontakt. Ich habe das Gefühl, dass er noch keine Lust auf Ruhestand verspürt. Er ist ja auch noch regelmäßig für die Uefa unterwegs. Wenn ein interessanter Verein anklopft und alles passt, wird Thomas sich damit beschäftigen.

Frage: Sie sind zwischen Bremen und Hamburg aufgewachsen, waren Co-Trainer bei Werder und dem HSV, für den sie auch als Spieler aufgelaufen sind. Wie sehr macht Ihnen die schwierige Lage bei Ihren Ex-Vereinen zu schaffen?

Rolff: Es ist schon schade, dass beide Clubs seit Jahren da unten drin hängen und sich einfach nicht aus dem Schlamassel befreien können. Dabei müssten es die Hamburger einfacher haben als Werder, weil sie durch Klaus-Michael Kühne größere finanzielle Möglichkeiten haben. Ich bin mir aber sicher, dass beide Teams den Klassenerhalt schaffen werden.

Christopher Deeken Redakteur / Sportredaktion
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