Seefeld - Nervenstarke Kämpferin: Wurfscheibenschützin Christin Hilmer (Jade Wurftaubenclub) hat sich für die Europameisterschaften der Juniorinnen Anfang Juli im italienischen Lonato qualifiziert. Es ist ihre vierte EM-Teilnahme in Folge. „Dass es dazu kommen würde, hätte keiner mehr für möglich gehalten, am wenigsten ich selbst“, sagte die Trapschützin.

Nach der „Seuchensaison 2015“ (Christin Hilmer) habe sie sich zusammen mit Trainer Jörg Damme akribisch auf die Saison 2016 vorbereitet. Eines ihrer Ziele: Sie wollte die Norm für den Damenkader (66 von 75 Scheiben) erfüllen.

Das Wettkampfjahr begann mit einem Sieg in der A-Junioren-Konkurrenz der NWA-Trophy Ende April. Mit ihrer Leistung – sie hatte 86 von 100 Scheiben getroffen – war sie zufrieden.

Doch in der ersten Jugendverbandsrunde in Wiesbaden, dem ersten offiziellen Wettkampf des Bundeskaders, erlebte sie einen Schock. Zwar habe sie ganz ordentlich geschossen – aber die Konkurrentinnen im C-Kader seien wie entfesselt aufgetreten. Auch die Leistung beim Junior World Cup in Suhl sei eher bescheiden gewesen. Die Technik war in Ordnung. Aber: „Ich stand mir mental einfach selbst im Weg.“ Doch Christin Hilmer hatte Glück: Zwar verpasste sie aufgrund der Ergebnisse in Suhl und Wiesbaden die sportliche Qualifikation für das internationale Turnier in Orimattila (Finnland). Aber sie fuhr als Nachrückerin mit, weil ihre Kontrahentin Sarah Bindrich aus schulischen Gründen absagen musste. „Diese Nachricht hat mir Rückenwind gegeben“, sagte sie.

Beim ersten Ranglistenturnier in München, in dem es um zwei von drei Tickets zur Europameisterschaft ging, schoss Christin Hilmer zwei tollen Runden (22, 23, 20/20, 21, 23). Sie hatte zu alter Stärke zurückgefunden. Aber das EM-Ticket löste zunächst Kathrin Murchse aus Sachsen. Christin Hilmer landete fünf Scheiben hinter Sarah Bindrich. Zudem hatte sie die Norm für den Damenkader verpasst.

Dennoch reiste sie selbstbewusst nach Finnland. Doch dort lief nichts. „Wir haben alle – Jungs wie Mädels – geschossen wie die Anfänger. Einfach peinlich“, meinte Christin Hilmer, die sich mit einem Platz unter den besten Sechs für die EM hätte qualifizieren können.

Damit blieb ihr noch eine Chance: das zweite Ranglisten-Turnier in Berlin. Ihre Hoffnung, den Rückstand auf die formstarke Sarah Bindrich wettmachen zu können, war indes gering. Doch sie probierte ein wenig herum – und es lief. Am ersten Tag verfehlte sie die Kadernorm knapp (22, 23, 20). Doch am zweiten Tag zeigte sie eine überragende Leistung (23, 22, 23). Sie hatte die Kadernorm erfüllt und Sarah Bindrich um drei Scheiben hinter sich gelassen. Damit hatte sie das Ticket zur EM gelöst. „Ich war einfach nur erleichtert“, sagte Christin Hilmer, und kündigte an, bis zum Beginn der EM Europameisterschaft weiter hart trainieren zu wollen. „Es gibt noch einiges, was bis dahin zu verbessern ist.“