Cloppenburg - Bis einschließlich 19. April ist die Saison in der zweiten Frauenfußball-Bundesliga wegen der Corona-Krise unterbrochen, aber die Zweifel mehren sich, dass ab 26. April tatsächlich weitergespielt werden kann. „Ich kann mir bei allem Optimismus nicht vorstellen, dass in drei, vier Wochen alles komplett anders ist als jetzt“, sagt Tanja Schulte, Sportliche Leiterin und Trainerin des BV Cloppenburg. Ihre Spielerinnen halten sich gerade allein oder zu zweit fit. Nach Hause gereist sei im Gegensatz zum BVC-Team der Männer niemand. Was auch damit zu tun habe, dass mehrere Spielerinnen des Frauen-Kaders aus den weit entfernten USA kommen.

Wie hatte man beim BVC eigentlich geplant

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„Terminlich wäre ja noch alles möglich, wenn wir den Juni dazunehmen könnten“, sagt die 44-Jährige, „aber erst mal muss ja wieder das Training aufgenommen werden.“ Beim BVC war zunächst angedacht, an diesem Montag den Trainingsbetrieb wieder zu starten, doch die Kontaktsperre machte den Cloppenburgerinnen einen Strich durch die Rechnung.

Letztendlich sei auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) von den Entscheidungen der Politik abhängig. „Und da spielt Fußball verständlicherweise eine untergeordnete Rolle“, sagt Schulte.

Braucht sich der BVC keine Sorgen zu machen

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Was aber wenn, wie Schulte befürchtet, die Saison frühzeitig beendet wird? Wäre der BVC auf der sicheren Seite, weil er zurzeit als Zehnter nicht in der Abstiegszone steht? „Nicht unbedingt“, sagt Schulte. „Wenn die Verantwortlichen zu der Entscheidung kommen, dass es am fairsten wäre, die Hinrunden-Tabelle als Abschluss-Tabelle zu nehmen, stünden wir auf einem Abstiegsplatz.“ Allerdings könne man die drei Spiele der Rückrunde ja auch nicht einfach ungeschehen machen. „Wir haben viel Geld in die Hand genommen und Spielerinnen von weit her geholt, um eine starke Rückrunde zu spielen“, sagt Schulte.

„Auch für den SV Meppen wäre das schwer zu akzeptieren. Die Emsländerinnen wären nach den bisher 16 absolvierten Spielen mit Werder Bremen zusammen Erstliga-Aufsteiger.“ Ließe man dagegen die drei gespielten Rückrunden-Partien weg, wäre Borussia Mönchengladbach zweiter Aufsteiger. Die Saison gar nicht zu werten, ist für Schulte, die den BVC im zehnten Jahr trainiert, keine ernstzunehmende Alternative. Besonders für den SV Werder, der die Saison bisher dominiert hat und den Aufstieg dank eines riesigen Vorsprungs schon fast in der Tasche hat, wäre dies kaum hinnehmbar.

Welche Lösung würde Schulte präferieren

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Die aus Sicht Schultes fairste Lösung wäre im Fall des Abbruchs, Bremen und Meppen ins Oberhaus aufsteigen zu lassen und sowohl in erster als auch in zweiter Liga auf Absteiger zu verzichten. In die zweite Liga würden die besten Regionalligisten aufsteigen, so dass die beiden obersten Ligen für eine Saison aufgestockt wären. Dies könne man in der folgenden Saison mit einer Erhöhung der Zahl der Absteiger bereinigen.

Aber vielleicht wird ja doch weitergespielt. „Der DFB wird alles daran setzen, die Saison fortzuführen“, sagt Schulte. Allerdings befürchtet sie, dass „ganz viele Spiele in einen kurzen Zeitraum zu pressen, auch ein Stück weit sportlich verfälschend wäre“.

Steffen Szepanski
Steffen Szepanski Redaktion Münsterland (Lokalsport)