Cloppenburg - Die Aufregung von Andre Meyer (55 Jahre), Wilfried Schlotmann (54) und Ludger Vogelsang (62) ist deutlich zu spüren, wenn die Hobbyläufer über ihre bevorstehende Reise nach New York sprechen. Auf der berühmtesten Strecke der Welt werden sie am 5. November erstmalig einen Marathon bestreiten.
„Die Vorfreude ist natürlich riesig, schließlich ist es ein sehr großes Event und Erlebnis für uns“, sagt Vogelsang, der zusammen mit Meyer vor elf Jahren mit dem Laufsport begonnen hat. Die in Nikolausdorf bzw. in Cloppenburg wohnenden Männer arbeiten beide im St.-Josefs-Hospital in Cloppenburg. Vor drei Jahren ist der Bakumer Schlotmann dazugestoßen. „Durch Gespräche bei der Arbeit merkten wir, dass wir alle gerne laufen – also schlossen wir uns zusammen“, sagt Schlotmann, der als Pflegedirektor im Hospital arbeitet. Zahlreiche Läufe haben die Ausdauersportler in der Region absolviert, bis der Wunsch nach mehr aufgekommen ist. „Einmal den Marathon in New York laufen, das wäre es doch“, hat sich nicht nur Schlotmann gedacht. Sie steigerten ihr Pensum und liefen einen Zehn-Kilometerlauf und einen Halbmarathon nach dem anderen.
So starteten sie etwa in Köln, Enschede und in London. Die zahlreichen Medaillen in Schlotmanns Büro im ersten Stock des Hospital-Verwaltungsgebäudes dokumentieren den sportlichen Ehrgeiz des Trios.
Das Highlight für die Arbeitskollegen war der Halbmarathon im Februar dieses Jahres in London. Ihren schwierigsten Lauf absolvierten sie aber in Remscheid. „Ich dachte zwischenzeitlich, die Berge hören nie auf“, scherzt Vogelsang, „aber wir sind die Berge bei uns ja auch nicht so gewöhnt.“ Der einzige Berg, dem im Training bereits ein Besuch abgestattet wurde, ist der stillgelegte Deponieberg in Stapelfeld. Mit der Vorbereitung auf ihren ersten Marathon sind die drei Hobbyläufer unmittelbar nach London angefangen. Rund 2000 Kilometer haben sie jeweils hinter sich gebracht. „Bis zu 60 bis 80 Kilometer sind wir wöchentlich gelaufen“, so Meyer, der schon drei Paar Laufschuhe verbraucht hat.
„Mit unserem Physiotherapeuten haben wir einen richtigen Experten in Sachen Trainingsgestaltung“, erzählt Vogelsang und weist auf Meyer hin, der die Physikalische Therapie leitet. „Dafür ist Ludger unsere Lokomotive“, kontert Meyer, bevor Vogelsang augenzwinkernd hinzufügt: „Eine Lokomotive, die am Ende Dampf verliert."
Dreimal in der Woche haben sich die Hobbyläufer nach der Arbeit zumeist bei Vogelsang getroffen. „Wilfried und ich kennen dank Ludger nun nahezu jede Gegebenheit auf unseren Strecken in den schönen Landschaften von Elsten, Sevelten oder Essen“, sagt Meyer. Es sei immer viel Spaß dabei, ab Kilometer 20 höre dieser aber langsam auf. „Ebenso wie unsere Gesprächsfreudigkeit“, sagt Schlotmann und lacht.
Bis zu ihrem Abflug vom Düsseldorfer Flughafen am 2. November lassen sie es ruhiger angehen. Am vergangenem Samstag war die Generalprobe. Zum dritten Mal während ihrer Vorbereitung liefen sie knapp 40 Kilometer. Für die Strecke in New York haben sie für sich als Ziel ausgegeben, unter fünf Stunden zu bleiben. „Wenn wir sechs Stunden brauchen sollten, wäre das aber auch keine Katastrophe“, meint Meyer.
Bei aller Vorfreude, die schrecklichen Ereignisse während des Bostoner Marathons 2013 sind nicht in Vergessenheit geraten. „Ich glaube aber, dass die Euphorie und die Vorfreude alle Sicherheitsbedenken überdecken werden“, sagt Vogelsang. „Ich möchte mir nicht alles Schöne wegnehmen lassen, nur weil 20 Bekloppte versuchen, die Welt in Geiselhaft zu nehmen“, ergänzt Meyer.
