Cloppenburg - Der Intrigantenstadl beim Fußball-Oberligisten BV Cloppenburg hat seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht, und einmal mehr rücken die sportlichen Geschehnisse weit in den Hintergrund. Die Zweikämpfe werden schon lange nicht mehr nur auf dem Rasenrechteck geführt, sondern auch in Hinterzimmern (die NWZ berichtete).
Den nächsten Knalleffekt gab es jetzt, als das Amtsgericht Oldenburg den in der Kritik stehenden Yilmaz Mutlu als Notvorstand des Clubs absetzte. Am vergangenen Donnerstag hatte das Amtsgericht Oldenburg auf eine NWZ-Nachfrage keine Informationen zur „Causa Mutlu“ herausgegeben. Die gestellten Fragen können aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht beantwortet werden, hieß es in der Antwort der Justizbehörde.
Doch der NWZ wurde das Schreiben zugespielt, in dem das Amtsgericht Oldenburg seine Entscheidung in Sachen Yilmaz Mutlu begründet. Dort heißt es unter anderem: „Mehrere Vereinsmitglieder haben im Rahmen ihres Antrags vorgetragen, dass das Vertrauensverhältnis zwischen dem Verein und Herrn Mutlu nachhaltig gestört sei. In seiner Funktion als Notvorstand habe Herr Mutlu sowohl gegen Regelungen der Vereinssatzung verstoßen, als auch die ihm durch den gerichtlichen Bestellungsbeschluss verliehenen Vertretungsbefugnisse überschritten.
Vor diesem Hintergrund kann dem Verein die Fortsetzung des Organverhältnisses mit dem Notvorstand nicht länger zugemutet werden. Der Beschluss über die Bestellung von Herrn Mutlu zum Notvorstand gemäß § 29 BGB ist daher mit sofortiger Wirkung aufzuheben.“
Notvorstand Yilmaz Mutlu startete mit seinen Beisitzern Daniel Plate und Udo Anfang seinerzeit die Mission, den Club wieder flottzukriegen. Plate trat vor einiger Zeit zurück, Mutlu ist nun auch nicht mehr aktiv, somit ist Udo Anfang der letzte Mohikaner. Ob Mutlu die Entscheidung des Gerichts einfach so hinnehmen wird, wird sich auch noch zeigen. Denn der Beschluss des Amtsgerichtes ist nicht in Stein gemeißelt. „Gegen diesen Beschluss ist innerhalb einer mit der Zustellung beginnenden Frist von einem Monat das Rechtsmittel der Beschwerde zulässig (§§ 58, 63 FamFG))“, heißt es in dem Schreiben des Amtsgerichtes.
So oder so. Dem BVC rennt die Zeit davon. Die Führungskrise muss nun schleunigst gelöst werden, um endlich Ruhe in den Club zu bekommen. Schließlich wollen die Trainer, Spieler und Mitglieder und auch die Sponsoren wissen, wie es weitergeht. Zumal es nach gesicherten NWZ-Informationen zahlreiche Sponsoren im Verein gibt, die ihre Zahlungen an den Club auch von den dort jeweils handelnden Personen abhängig machen. Sie beobachten daher nun ganz genau, was passiert, wie sich der Verein nach außen hin zeigt und wer nun an die Spitze des Vereins rückt.
Dass der Club wieder in ruhige Bahnen gelenkt werden muss, sieht auch Dr. Jürgen Vortmann so. Der Cloppenburger Rechtsanwalt, den einige Mitglieder gerne als neuen Notvorstand sehen würden, bezeichnet den BVC als einen Verein, der ihm am Herzen liege. Dass er in irgendeiner Weise am Sturz Mutlus beteiligt gewesen sein soll, verneinte Vortmann im Gespräch mit der NWZ. Dies sei nicht der Fall gewesen, versicherte er.
Dass im Umfeld des Clubs seit einiger Zeit dagegen nicht mehr mit offenem Visier gekämpft wird, ist unstrittig. Dies bestätigen nicht nur Kenner der Szene. Davon zeugt auch dieses Kapitel: So soll nach NWZ-Informationen von Unbekannten bewusst Arbeitsmaterial für den Platzbau beschädigt worden sein, um somit wohl weiter für Unmut in den Reihen des BVC zu sorgen.
Gefordert ist indes auch das Oldenburger Amtsgericht. Denn ein mitgliederstarker Fußballclub wie der BVC es nun mal einer ist, in dem tagtäglich Entscheidungen gefällt werden müssen, braucht eine starke Führung und somit Ansprechpartner für Mitglieder, Trainer und Spieler. Justitias Helfer müssen die Beine in die Hand nehmen und zugleich bei der Bestellung eines neuen Notvorstandes sorgsam abwägen.
Unterdessen droht der Fußball mal wieder auf der Strecke zu bleiben. Ein Nackenschlag für den erfolgreichen Jugendbereich mit seinen engagierten Trainern, aber auch für das Herrenteam in der Oberliga. Der BVC gastierte am Sonntag beim TuS Bersenbrück und kassierte eine 2:5-Niederlage. „Kleinigkeiten werden halt bestraft“, meinte Cloppenburgs Co-Trainer Torsten Bünger zum Spiel. Es sei durchaus etwas Zählbares drin gewesen, meinte er, zumal sein Team zwischenzeitlich zweimal auf ein Tor herangekommen war (40., 61.).
Tore: 1:0 Oswald (26.), 2:0 Urner (32.), 2:1 Hennig (40.), 3:1 Dibra (57.), 3:2 Demaj (61.), 4:2, 5:2 Oswald (78., 80.).
BVC: Kay - Ostendorf, Westerveld, Plaggenborg, Dreher, Thoben, Lohe, Jammah (62. Ampofo), Muric (71. Lizenberger), Hennig, Demaj.
Sr.: Herbach (Hannover).
