CLOPPENBURG - Noch haben die Verantwortlichen des Fußball-Oberligisten BV Cloppenburg die Schublade mit dem Notfallplan nicht aufgezogen. Niemand rund um die Friesoyther Straße mag an den Supergau der Nicht-Qualifikation für die neue Regionalliga glauben. Jetzt müssen die Spieler endlich Farbe bekennen, Herzblut für den Club zeigen und punkten, punkten und nochmals punkten. Dass es den BVC am Pfingstmontag (Anstoß 15 Uhr) ausgerechnet zum Derby gegen den VfB Oldenburg ins Marschwegstadion führt, ist diesmal reine Nebensache.
Das katastrophale 1:3 im ersten von fünf Endspielen in Heeslingen förderte nur eine positive Tatsache ans Licht: Schlimmer kann es nicht mehr werden. „Ich habe den Spielern den Kopf gewaschen und Tacheles geredet“, haute der ansonsten als ruhiger Vertreter bekannte Trainer Jörg-Uwe Klütz auf den Putz. Anschließend gab’s zwei Tage frei. „Zum Nachdenken“, so Klütz. „In Oldenburg will ich Leidenschaft sehen. Das Ding wird allein über den Kampf entschieden“, sollen seine Mannen „Gras fressen“.
Durchaus denkbar ist, dass es beim BVC im Derby verstärkt personelle Wechsel geben wird. Anstelle des gesperrten Stürmers Til Bettenstaedt dürfte Alket Zeqo erste Wahl sein. Dass Christopher Hauptmann eine Chance von Beginn an bekommt, scheint eher fraglich. Schon eher könnte Alexander Burgardt wieder in der Startelf auftauchen. „Ich lege mich noch nicht fest. Jeder kann sich im Training aufdrängen“, wartet Klütz ab. Dass die Spieler endlich wieder ihr fraglos vorhandenes Potenzial auf den Rasen zaubern, fordert auch Präsident Professor Dr. Joachim Schrader, der dieser Tage mehr denn je um seine Visionen bangt. „Als Jörg Goslar noch Trainer war, hieß es, er sei an allem Schuld. Dann bitteschön sollen die Spieler jetzt Taten folgen lassen.“
Auch die Oldenburger haben ihren Teil dazu beigetragen, dass die Partie am Marschweg zu einem Roulettespiel wird. Nach einer sensationellen Hinserie zeigt die Leistungskurve steil nach unten. Und die Nerven bei den Huntestädtern liegen blank. Trainer Joe Zinnbauer setzte nach dem peinlichen 0:2 bei Osnabrück II – das sechste Spiel in Folge ohne Sieg – Stefan Frye und Reservekeeper Dennis Evers wegen Überziehens des Zapfenstreichs den Stuhl vor die Tür. Paolo Rizzo wurde zudem mit einer saftigen Geldstrafe abgewatscht.
Für zusätzliche Spannung in der Oberliga sorgen derzeit die zu Wochenbeginn verschickten Lizenzierungsbescheide aus der Frankfurter DFB-Zentrale. Der aktuelle Dritte Altona 93 will am Wochenende nach einer Vorstandssitzung preisgeben, ob er die Auflagen erfüllen will und kann. Heute fliegt eine Delegation des TuS Heeslingen nach München, um beim DFB-Beschwerdeausschuss vorstellig zu werden.
Über die Lizenzprobleme anderer Clubs will man sich beim BVC keine Gedanken machen. „Wir können es noch aus eigener Kraft schaffen und schauen nur auf uns selber“, sagt Klütz und macht damit klar, dass der BV Cloppenburg den Sprung in die Regionalliga auf sportlichem Wege schaffen möchte.
