CLOPPENBURG - Nicht wenige Experten haben vor Saisonbeginn vermutet, dass die neue eingleisige Fußball-Oberliga Niedersachsen stärker ist, als die vorherigen Staffeln West und Ost. Schließlich qualifizierten sich aus beiden Ligen nur die besten Teams. Diese Einschätzung ist allerdings nach nur fünf von 38 Spieltagen weitestgehend widerlegt.

Das zeigt schon ein kurzer Blick auf die Tabelle: Bis auf den zuletzt zweimal siegreichen Regionalliga-Absteiger Goslarer SC (8.) und den neu formierten VSK Osterholz-Scharmbeck (10.) rangieren ausnahmslos die vormaligen West-Clubs vorne in der Tabelle. Von bislang 25 „West-Ost-Vergleichen“ gewannen die „West-Teams“ 16 – sieben endeten unentschieden, nur zweimal siegten „Ost-Mannschaften“.

Ganz oben in der Tabelle haben sich die drei Hauptverdächtigen im Titelrennen positioniert. Durch den dritten Heimerfolg am Sonntag über Hildesheim (4:0) löste der BV Cloppenburg den überraschend stark gestarteten Fastabsteiger SC Langenhagen (1:3 in Nordhorn) an der Spitze ab. „Das sieht gut aus, ist aber nur eine Momentaufnahme“, hält Cloppenburgs Trainer Jörg-Uwe Klütz den Ball gewohnt flach.

Auf seine Offensive ist auf jeden Fall erneut Verlass. Schon satte 16-mal beulten die BVC-Spieler die gegnerischen Netze aus. Mit fünf „Buden“ führt der niederländische Knipser Rogier Krohne gemeinsam mit Tim Schwarz (VfB Oldenburg), Luc Ndock (Hansa Lüneburg) und Ertan Ametovski (SC Langenhagen) die Torschützenliste an.

Hinter den Soestestädtern liegen der ein Spiel weniger aufweisende BSV SW Rehden und der vom Verletzungspech arg gebeutelte VfB Oldenburg in Lauerstellung. Gleich drei Spieler stehen Neu-Coach Torsten Fröhling infolge von Kreuzbandrissen längerfristig nicht zur Verfügung. „Wir müssen uns durchbeißen“, sagt der Ex-Profi.

Positiv überrascht hat derweil Kickers Emden. Die Ostfriesen, die ebenfalls noch ein Nachholspiel haben, machen derzeit hinten dicht und agieren vorne eiskalt. Lohn ist Rang vier. Außerdem gelang den Mannen von Trainer Uwe Groothuis ein Pokalcoup gegen den SV Wilhelmshaven.

Nicht nur wegen seines begeisterungsfähigen Publikums scheint Ex-Zweitligist SV Meppen verstärkt zu beachten zu sein. Mit Sven Hartwig wurde vom SV Babelsberg noch ein „dicker Fisch“ nachverpflichtet. Und Trainer Johann Lünemann weiß, wie man aus der Not eine Tugend macht: Beim 2:1-Erfolg in Osterholz-Scharmbeck bot er aufgrund diverser verletzungsbedingter Ausfälle kurzerhand Abwehrspezialist Francis Banecki in der Spitze auf. Der Wandervogel traf prompt zur Führung.

Einfallsreich ging Langenhagens Manager Wolfgang Lange, der auch als Sprecher der Oberliga fungiert, die Suche nach einem klassischen „Zehner“ an. Er bediente sich des Internets. Der frühere Liga-Obmann des BV Cloppenburg konnte sich vor Anrufen kaum retten. Ins Netz ging ihm Torben Deppe, der zuletzt für den West-Regionalligisten SF Lotte gespielt hatte.

Große Unterschiede gibt es derweil in der Zuschauergunst. Die bislang größte Kulisse gab’s mit 1901 Zuschauern beim Cloppenburger 3:2-Derbyerfolg in Oldenburg. Insgesamt kamen zu den Partien aber weniger als 500 Fans pro Spiel. Den Minusrekord hält der TSV Ottersberg mit 120 Zuschauern.