CLOPPENBURG - Am 19. Juni 1811 eröffnete Turnvater Friedrich Ludwig Jahn den ersten Turnplatz mit modernen Sportgeräten – an diesem Sonntag vor 200 Jahre. Noch einige Jahren sollten ins Land gehen, bis der Turnsport auch Cloppenburg mit Nachdruck erreichte. Zunächst erfasste die Bewegung den Osnabrücker Raum, dann das Emsland, die Welle schwappt über Oldenburg in die Wesermarsch und nach Ostfriesland. Cloppenburg erreicht sie erst zum Ende des Jahrhunderts, geht aus der Chronik anlässlich des 100-jährigen Bestehens des TV Cloppenburg 1991 hervor.
Der TVC wurde erstmalig 1895 in der Deutschen Turnzeitung erwähnt, berichtet der einstige Vorsitzende Nechel Nöh in der Festschrift. Damals gehörte der Turnverein zum Oldenburger Turngau, Kreis V – Niederweser-Ems. 70 Vereinsmitglieder über 14 Jahre und fünf Vorturner wurden gemeldet. Regelmäßig beteiligten sich die Turner in der Folge an großen bundesweiten Turnfesten, erstmals 1913 in Leipzig, dann 1923 in München. Zwischen 1925 und 1933 errangen Cloppenburger Turner große Erfolge bei Wettkämpfen auf Kreis- und Verbandsturnfesten, geht aus der Chronik hervor.
Der Verein sah sich ganz in der Tradition von Turnvater Jahn: „In Anpassung an die von F.W. Jahn verstandene Leibesübung und als bedeutsames Mittel der Erziehung, Gesunderhaltung und Freizeitgestaltung finden unsere Mitglieder ausreichend Gelegenheit zu den unter Turnen einzuordnenden, vielfältigen Spiel- und Sportbereichen“, schreibt Nöh weiter. Der TVC habe dazu beigetragen, dass das Turnen nach der Devise: „Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei“ zu einem „wesentlichen Element der Lebensgestaltung“ geworden sei.
Der alljährliche Turnerball in der „Walhalla“ sei ein großes gesellschaftliches Ereignis gewesen, eine „richtig große Nummer“, erinnert sich der heutige Vorsitzende Bernd Havermann. Auf einer aufgebauten Bühne wurde vorgeturnt. Heutzutage, muss Havermann gestehen, spielt Turnen beim TV Cloppenburg nur noch eine kleine Rolle: nämlich beim Kinderturnen. Dort fördert Sabine Hinxlage die motorische Fähigkeiten der Kinder. Turnen als Breitensport sei nicht mehr präsent in Cloppenburg. Dem Deutschen Turnerbund gibt Havermann daran wenigstens eine Mitschuld. Durch die Leistungszentren seien die Vorbilder aus dem breiten Raum verschwunden.
In der Schule musste Havermann selbst aufs Reck. In Erinnerung geblieben ist ihm vor allem ein Absturz auf den damals mit Sägemehl ausgelegten Boden in der Turnhalle Sevelter Straße. Den Bau dieser Halle übrigens hatte der TVC 1908 beschlossen. 24 000 Reichsmark sollte er kosten. Eingeweiht wurde sie 1910 – mit einem Schauturnen.
