Cloppenburg - Auf dem Hauptplatz des Cloppenburger Stadions an der Friesoyther Straße bildet sich an diesem Montagabend ein großer Kreis mit mehr als 20 Frauen. An sich nichts Ungewöhnliches, denn dort spielen und trainieren die Zweitliga-Frauen des BV Cloppenburg. Von den Bundesliga-Fußballerinnen ist dieses Mal jedoch nur Nadine Anstatt dabei. Und das als Trainerin.

Zusammen mit Alexander Woloschin (Saterland) fungiert sie als Ansprechpartnerin beim Gesundheits-Präventionsprojekt „3 F“ – das steht für „Fit und Fun mit Fußball“. Und das gibt es im Landkreis Cloppenburg schon seit einigen Monaten im Männerbereich. Nun können auch Frauen an dem Projekt des Deutschen Fußball-Bundes und des Landkreises Cloppenburg teilnehmen. Abgesehen von einer einzigen Spielerin, hat vorher noch keine der anwesenden Frauen einen Ball am Fuß gehabt. Das ändert sich bei der ersten Übung, als die Neu-Fußballerinnen den Ball am Fuß beim Slalom an Hütchen und Stangen vorbeiführen müssen.

Das Projekt wird – wie bei den Männern – wissenschaftlich vom Ärztlichen Direktor des Cloppenburger St.-Josefs-Hospitals, Professor Dr. Joachim Schrader, begleitet. Ziel des Präventionsprogramms ist es, Personen im Alter von 45 bis 70 Jahren mit Bluthochdruck einmal die Woche zum Gesundheitssport zu bewegen. „Die Patienten haben es lieber, mit einem Ball zu spielen, statt durch den Wald zu laufen“, erklärt Schrader und fügt stolz an: „So ein Projekt hat es für Frauen noch nicht gegeben. Hier ist Fußball Gesundheitssport, es geht nicht um Leistung.“ Gemessen wird der Blutdruck mittels einer elektronischen Pulsuhr. Die Werte werden beim Training in eine Kartei eingetragen.

Ganz einfach ist die Organisation indes nicht. Einige Frauen haben nämlich Kinder und können nicht mal eben so den Nachwuchs alleinlassen. „Da ist mir klar geworden, wenn die Männer nicht zuhause sind, können Frauen gar kein Sport machen“, merkt Schrader an. Deshalb wurden drei Erzieherinnen engagiert, die sich um die Kinder der neuen Fußballfrauengruppe kümmern.

Nadine Anstatt setzt nicht nur bei Ansprachen auf Kommunikation – besonders auch bei Verletzungen: „Ich kann in niemanden reingucken oder Gedanken lesen. Wenn ihr Schmerzen habt, kommt einfach auf mich zu“, sagt die 24-Jährige zu den Neulingen. „Es ist wichtig, dass hier niemand die Heldin spielt. Wir trainieren nicht für die Olympischen Spiele“, ergänzt Schrader.