CLOPPENBURG - Handballtorhüter, sagt man, sind meist ein wenig anders als ihre auf dem Feld spielenden Kollegen. Und das ist durchaus nachzuvollziehen. Wer lässt sich in seiner Freizeit auch schon freiwillig aus kürzester Distanz die Bälle um die Ohren knallen? Und wenn ein Torhüter dann auch noch Linkshänder ist, gilt er in Handballkreisen sowieso als verrückter Hund. Ulf Duda zählt genau zu dieser Sorte Mensch. Woche für Woche versucht er zu verhindern, dass die Bälle im Tor des Handball-Oberligisten TV Cloppenburg einschlagen.
Warum er ausgerechnet Torwart geworden ist, weiß er nicht mehr genau. Es habe sich einfach ergeben. Das Besondere an seiner Position sei, dass er dem Spiel eine Wende geben könne. „An guten Tagen bin ich der Matchwinner, an schlechten der Verlierer. Diese Herausforderung liebe ich.“
Duda ist 30 Jahre alt, „glücklicher Single“ und ein echtes Kind des Oldenburger Landes. Er kommt gebürtig aus Varel, wohnt in Oldenburg, arbeitet in Rastede und spielt Handball in Cloppenburg.
Vor der Saison 2004/5 wechselte er vom Zweitligisten HSG Varel nach Cloppenburg. Den Kontakt zum TV Cloppenburg hatte Varels Rechtsaußen Jochen Toepler, der aus Cloppenburg stammt, hergestellt. „Ich hatte fünf, sechs Jahre jeden Tag Handball gespielt und wollte mich sportlich verändern – einfach mal was anderes machen.“
Drei Jahre später kehrte Duda zur HSG zurück, um für Varels Reserve aufzulaufen. Doch schon in der darauffolgenden Saison folgte er dem erneuten Lockruf des TVC. Handball, sagt Duda, habe in Cloppenburg einfach einen besonderen Stellenwert. „Der Verein hat einen eigenen Charakter. Schließlich hat nicht jeder Club eine eigene Halle und solch enthusiastische Zuschauer.“
Seine Identifikation mit dem Verein wirkt sich positiv auf seine Leistungen aus. „Ulf ist als Torwart wie ein guter Wein. Mit dem Alter wird er immer besser“, sagt Cloppenburgs Teammanager Oliver Galeotti. Beim Derbysieg gegen Neerstedt hat er das vor 500 Zuschauern zuletzt eindrucksvoll bewiesen.
Duda ist ein vielseitig interessierter Mensch. Einer, der seine Leidenschaften auslebt. Dass er mehr als fünf Jahre im Oldenburger Club Schmizz (jetzt „Cubes“) als DJ aufgelegt hat, passt ins Bild. Er habe den Nachtschwärmern „Musik mit Niveau“ geboten, sagt Duda. „Rock, Hip-Hop, Electronic – alles, was Spaß macht.“ Kein Wunder, dass er beim TV Cloppenburg für die Hallenmusik zuständig ist und die CD zusammenstellen muss. „Er ist halt ein Original“, sagte Galeotti.
Seine Brötchen verdient Duda, der in Oldenburg Sportmanagement studiert, in der Werbebranche. „Ich bin im kaufmännischen Bereich tätig. Da kann ich die Dinge, die mir am meisten Spaß machen, miteinander verbinden – den Sport und die Fotografie.“
Duda hat sich nicht nur einen hervorragenden Ruf als Handball-Torwart erarbeitet. Schon längst hat er sich auch als Sportfotograf einen Namen gemacht und sich ein zweites Standbein aufgebaut. Duda ist offizieller Fotograf des Basketball-Bundesligisten EWE Baskets Oldenburg, der Basketball-Bundesliga und der Euroleague Basketball, die mit der Champions League im Handball verglichen werden kann.
Im Mai kommenden Jahres wird er in Barcelona das „Final Four“, also das Turnier der vier besten Basketball-Teams Europas, begleiten. „Wir fotografieren nicht nur die Spiele“, sagt Duda. „Wir müssen eine Woche lang alle Veranstaltungen rund um das Turnier abdecken.“
Erst Ende der 90er Jahre habe er damit begonnen, regelmäßig zu fotografieren. „Ich war einer der ersten Nightloop-Fotografen“, sagt Duda. Am Wochenende tingelte er durch die Diskotheken und knipste. „Das habe ich so drei, vier Jahre lang gemacht.“ 2003 hat sich sein Vater dann eine digitale Spiegelreflexkamera zugelegt. Mit dieser fotografierten Vater und Sohn fast alle Sportveranstaltungen in der Umgebung. „Wir haben uns gegenseitig unterstützt.“ Wegen der meist dunklen Sporthallen habe man sich schließlich eine vernünftige – und dementsprechend teure – Ausrüstung zulegen müssen. Dann ging alles ganz schnell. Duda junior stellte eine Internetseite online, auf der die Bilder seitdem erscheinen.
Und schon früh merkte er, dass Fotografieren weit mehr ist, als einfach nur scharfstellen und abdrücken. „Ich bin Autodidakt“, sagt Uda. „Ich habe mich in verschiedenen Internetforen informiert und mir angeschaut, was andere Sportfotografen machen.“ Allerdings ha er nicht versucht, jemanden zu kopieren. „Ich habe darauf geachtet, andere Perspektiven zu wählen.“ Während eines Basketball-Spiels fotografiert er deshalb mit bis zu fünf Kameras. Er arbeite viel mit Funk, sagt er. So hängt eine Kamera auch schon mal unter der Hallendecke. „Ich versuche, gewisse Dinge zu inszenieren, Emotionen einzufangen und diese auch beim Betrachter zu wecken.“ Und offensichtlich gelingt ihm das: Beim Manfred Ströher-Medienpreis 2009 des Deutschen-Basketball-Bundes schaffte er es mit einem seiner Motive auf Platz zwei.
Aber Duda ist auch abseits des Sports mit der Kamera unterwegs. Unter anderem fotografiert er Hochzeiten. „Ich mache aber nicht die klassischen Hochzeitsfotos“, sagt er. So lässt er das Brautpaar auch schon mal barfuß die Straße hoch und runter laufen. Doch sein Schwerpunkt ist und bleibt die Sportfotografie. Und als Handballer hätte er nur allzu gerne das Finale der Weltmeisterschaft in Deutschland im Jahr 2007 fotografiert. „Es ärgert mich immer noch, dass ich nicht dabei sein konnte.“
Sein großer Traum ist es, einmal bei Olympischen Spielen „wegen all der verschiedenen Eindrücke“ zu fotografieren. Außerdem reizt ihn die amerikanische Sportszene. „Die NBA zum Beispiel hat noch eine ganz andere Dimension als ein Final Four-Turnier.“
Doch er ist ja erst 30. Und vielleicht gelingt es ihm ja schon im kommenden Jahr, Dirk Nowitzkis Jubel einzufangen, wenn Deutschlands bester Basketballer zum ersten Mal eine Finalserie gewinnen sollte.
Oder er fotografiert das entsetzte Gesicht von Superstar Lebron James, nachdem in einem entscheidenden Moment endlich mal ein Schrittfehler gegen ihn gepfiffen worden ist. Letzteres ist wahrscheinlicher.
