CLOPPENBURG - Schlechte Spiele gab es auch schon in der mit Ach und Krach bewältigten Qualifikationssaison – und auch schon in der laufenden Regionalligaserie: Aber so indiskutabel schwach wie beim 2:5-Heimdesaster am Sonnabend gegen die als auswärtsschwach geltenden Gäste des FSV Ludwigshafen-Oggersheim hatten selbst die eingefleischtesten Anhänger die Fußballer des BV Cloppenburg noch nicht gesehen (siehe Bericht auf Seite 15). Die Vorstellung kam einem Super-Gau gleich.
Restlos deprimiert betrat BVC-Coach Frank Schulz zur Pressekonferenz den rappelvollen VIP-Raum des Selbstbedienungsladens OM-Arena. „Für unsere Leistung kann ich mich nur schämen“, sagte Schulz. Warum seine Mannschaft, in der der gelbgesperrte Kapitän Maarten Schops an allen Ecken und Enden vermisst wurde, von der ersten Minute an jede positive Körpersprache vermissen ließ, vermochte der Fußball-Lehrer nicht zu erklären. „Ich weis es nicht. Da muss ich mir in Ruhe Gedanken machen. Eigentlich waren alle gut drauf und hatten nach dem Sieg in Elversberg großes Selbstvertrauen.“ Zu großen Druck schloss Schulz jedenfalls als Ursache aus. „Hier hast du gar keinen richtigen Druck. Anderswo wirst du für solch eine Leistung bis nach Hause gnadenlos ausgepfiffen.“
Anstatt den Dreier aus Elversberg zu vergolden, droht dem BVC, der es abermals nicht schaffte, zweimal am Stück ungeschlagen zu bleiben, eine düstere Zukunft. Spätestens seit Sonnabend ist zu befürchten, dass die Nichtabstiegsplätze bereits bis zur Winterpause aus den Augen verloren werden. „Leider durfte ich selbst nicht mitspielen“, erinnerte sich der Dülmener in Anbetracht der Leidenschaftslosigkeit seiner Spieler an seine eigenen Malocherqualitäten in der Bundesliga. Obwohl Schulz die Qualität seiner Mannen hinterfragte („Diese Liga ist ein Lernprogramm für alle. Einige müssen sich mal Gedanken machen, was es bedeutet, in der Regionalliga zu spielen“), denkt er nicht ans Aufgeben. „Ich werde nicht müde, weiter zu arbeiten.“
Auch die Spieler suchten vergeblich nach Erklärungen. „Ich bin von Anfang an nicht ins Spiel gekommen“, sagte Verteidiger Joe Yankson. „Es war schon in Ordnung, dass der Trainer mich in der Halbzeit rausgenommen hat“, zeigte sich der Ghanaer einsichtig. „Zuerst ging’s ja noch. Aber jedes mal, wenn wir ein Gegentor bekommen, geht es drunter und drüber“, meinte derweil Dennis Yilmaz.
Als die Gäste zu Beginn der Schlussphase mit dem 4:1 den Sack endgültig zubanden, leerte sich die Tribüne sprunghaft. Irgendwie war es gut, dass die offiziell 752 Zuschauer Saison-Minuskulisse bedeuteten. Sollte es zu Wochenbeginn in Cloppenburg und umzu in den Praxen der Augenärzte infolge eines pollenunabhängigen „Dauertränen-Syndroms“ zu überfüllten Warteräumen kommen – die Schuld hätte wohl der gesundheitsgefährdend schlecht spielende BVC.
Und wie geht’s jetzt weiter? Die 14. Runde führt den BVC zur Dortmunder Erstligareserve ins altehrwürdige Stadion Rote Erde – fraglos ein großes Kaliber. Personelle Alternativen hat der Trainer nicht. Immerhin kehrt Schops ins Team zurück.
Ansonsten machte sich bereits am Sonnabend auf der Bank eine große Leere breit. Neben Keeper Stefan Tilling saßen dort mit Sven Hassler, Lokalmatador Henning gr. Macke, den sich viele Fans zumindest zum zweiten Durchgang als Joker auf dem Feld gewünscht hätten, und Olaf Bock infolge von Verletzungen und Erkrankungen nur drei Feldspieler. Schlimm erwischt haben könnte es Christopher Hauptmann, dessen Knie noch eingehender untersucht werden muss. Bereits am Sonnabend war angedacht worden, Til Bettenstaedt aus der Reserve in den Kader hochzuziehen.
Derweil verfolgte der genau dorthin zwangsversetzte Andre Breitenreiter die Darbietungen seiner Ex-Kollegen von der Tribüne aus. Dorthin verschlagen hatte es auch Björn Schierenbeck. Der Bremer Scout hatte sich für die Beobachtung des Nieholters Bernd Gerdes einen denkbar ungünstigen Tag ausgesucht. Unter dem Strich bleibt es zumindest vorerst beim immer wieder gerne bemühten Motto „Die Hoffnung stirbt zuletzt“.
