CLOPPENBURG - Die Fallzahlen von Gewalt gegen Polizeibeamte nehmen immer weiter zu. Das belegt auch eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen. Nüchterne Zahlen. Dahinter steht etwa Sylvia Kahler. Die Polizistin, die im Streifendienst in Osnabrück im Einsatz ist, musste sich im April gegen einen Mann zur Wehr setzen, der sie mit einem Messer angriff. Sie überwältigte den Mann – und zog sich einen mehrfachen Schulterbruch zu.
Wie sie mit kräftigeren Angreifer umgeht, weiß die Polizistin. „Mit der richtigen Technik kann man weiterkommen auch wenn man kleiner ist.“ Männer sind auch ihre „Angreifer“ am Mittwoch in der TVC-Turnhalle. Dort bildet die Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta (PI) die Beamten im Bereich Abwehr- und Zugriffstechniken (AZT) aus. Einige der 16 Polizisten – davon zehn aus der PI Cloppenburg/Vechta, fünf aus Osnabrück und einer aus Diepholz – werden künftig die Kollegen in den PIs trainieren. Diese Trainer sind vorher in einem fünfwöchigen Lehrgang geschult worden. An diesem Mittwoch in Cloppenburg wollen die Referenten Roland Wilke und Jürgen Brinkmann das dort gelernte festigen und Neues schulen.
Hintergrund: Als Reaktion auf die Zunahme der Gewaltanwendungen gegen Polizeibeamte hat das Niedersächsische Innenministerium per Erlass geregelt, dass diese intensiver geschult werden müssen. Wichtig sei, das nötige Rüstzeug für den Ernstfall zu haben, sagt Trainer Andre Dumstorf. Die Techniken dürften nicht kompliziert sein, erklärt Dumstorf. Ziel sei, die Selbstverteidigung zu vereinfachen und die Polizisten handlungssicherer zu machen. Elemente aus dem Judo oder dem Ju-Jutsu haben Eingang in den AZT-„Leitfaden“ der Polizei gefunden.
„Schützt Euren Kopf“, ruft Roland Wilke den Kollegen zu. Der Mitarbeiter des systemischen Einsatztrainings demonstriert, wie sich der Polizist wehren kann, wenn er auf dem Boden liegt. Jürgen Brinkmann hatte vorher gezeigt, wie ein zu Boden gebrachter Angreifer dort fixiert werden kann.
Die erlernten Techniken – seit Anfang des Jahres werden bis zu zwölf Beamten der PI wöchentlich geschult – sollen dazu dienen, sich selbst und auch den Angreifer zu schützen, sagt Daniel Birkholz, ATZ-Koordinator. Birkholz: „Der Beruf Polizist ist ein nicht ungefährlicher Beruf.“
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