Staatsforsten - „Da schlägt das Lokführerherz höher“, sagt Jan-Gerd Scharre, als er über die metallenen Armaturen streicht, es hängt der Geruch von Diesel in der Luft. Scharre steht im Führerhaus der neuesten Errungenschaft des Vereins „Museumseisenbahn Friesoythe-Cloppenburg“: Eine Diesellok vom Typ MS 800 D V65 nennt der Verein seit Kurzem sein Eigen. Stolz präsentiert Scharre gemeinsam mit den Mitgliedern Manfred Bonk, Peter Spalke, Karl-Heinz Böhmer, Bernd Preuth, Heino Bochinski und Daniel Wulfing das Fahrzeug. Bald soll es mit Passagieren auf große Fahrt gehen.
Gebaut wurde die Lok 1956 in Köln. Im September 2015 wurde sie vom Verein übernommen, allerdings musste sie erst einmal zur Aufrüstung und Wartung in die Bahnwerkstatt Malowa in Benndorf (Sachsen-Anhalt). Unter der Haube der V 65 steckt eine Menge Kraft: Sage und schreibe 800 PS.
„Das ist noch Technik zum Anfassen“, sagt Jan-Gerd Scharre, 2. Vorsitzender des Vereins und als Lokführer dabei. Im Arbeitsalltag bedient er Züge mit dem Joystick: „Den legt man nach vorn und schon geht’s los – wenn es bei dieser alten Lok ein technisches Problem gibt, hilft kein Laptop.“ Da komme noch der gute alte Schraubenzieher zum Einsatz. Ganz ohne neueste Technik geht es bei der Lok allerdings nicht. Damit der Verein mit ihr Fahrten auf allen Gleisen unternehmen kann, erhielt die Diesellok ein Fahrsicherheitssystem und Digitalfunk.
Kürzlich holte der Verein die Lok – welche bald mit einer Taufe noch einen Namen bekommen soll – „heim“ nach Staatsforsten. Die Strecke vom Rande des Harz bis zum Bestimmungsort hatte es in sich: 450 Kilometer galt es auf Schienen zu bewältigen. „Ein echt wilder Ritt“, meint Scharre und lacht. Da die Lok auch auf Gleisen der Deutschen Bahn fahren darf, steht Fahrten in die Umgebung nichts im Wege: „Wir können nun auch befreundete Vereine in Ocholt oder Osnabrück besuchen, mit den anderen Loks ging das nicht“, freut sich Pressesprecher Karl-Heinz Böhm.
Der Verein hofft, die Lok zu den Nikolausfahrten einsetzen zu können. Noch müssen Kleinigkeiten gemacht werden, außerdem wird noch ein Schild angebracht. Der Verein wolle alte Dinge für die Nachwelt erhalten, betont Böhmer. „Die Lok ist einfach zu schade für die Schrottpresse“, fügt der Pressesprecher hinzu.
