Hude - Henk Vienenkötter steht zum ersten Mal in seinem Leben auf einem Drei-Meter-Brett. Sein größter Wunsch ist es, diese „Disziplin“, wie man bei den Paralympics sagen würde, zu meistern. Die anderen Kinder in der Schwimmhalle und auch seine Mutter schauen gespannt auf den Neunjährigen, der das Down-Syndrom hat. Wird er wirklich springen? Er wirft einen kurzen Blick nach unten und geht wieder drei Schritte zurück, in die Arme seines Schwimmlehrers Mohammad Nouri.
„Zu dem Zeitpunkt habe ich schon nicht mehr dran geglaubt“, sagt Henks Mutter Tanja Vienenkötter im Nachhinein. Henk guckt noch einmal zu seiner Mutter, nimmt all seinen Mut zusammen und wagt sich wieder an die Spitze des Bretts. Und diesmal springt er tatsächlich. Eine Medaille gibt es hier zwar nicht, dafür jubeln ihm die anderen Kinder zu, rufen „Henki Henki“, und freuen sich mit ihm. Gemeinsam mit Schwimmlehrer Cord Ahlers schwimmt er zum Beckenrand und nimmt die Glückwünsche seiner Mutter entgegen.
Seit Februar 2015 ist der Junge mit „Trisomie 21“, wie die Behinderung in der Fachsprache genannt wird, in der Schwimmgruppe des TV Hude dabei. Seine Mutter sitzt immer am Beckenrand, im Wasser bewegt sich Henk jedoch eigenständig vorwärts: „Henk war das erste Kind mit größerem Handicap, welches wir aufgenommen haben. Wir sagten damals, dass wir nichts garantieren können. Mittlerweile kann sich Henk eigenständig im Wasser bewegen“, berichtet Schwimmlehrerin Anke Mönning-Lüdecke.
Die nächste „Disziplin“, die Henk bewältigen möchte, ist das Jugendschwimmabzeichen in Bronze. Dazu muss er acht Bahnen (200 Meter) Schwimmen, 2,20 Meter tief tauchen und vom Ein-Meter-Brett springen. „Momentan fehlt noch die Ausdauer“, weiß seine Mutter, „aber ich glaube fest daran, dass Henk das Abzeichen noch in diesem Jahr schafft.“
Von den Paralympischen Spielen hat Tanja Vienenkötter in den Nachrichten einiges mitbekommen: „Dort sieht man, was trotz einer Behinderung möglich ist“, sagt Henks stolze Mutter.
Bei den Spielen für Menschen mit Behinderung sind seit 2012 auch wieder Menschen mit geistiger Behinderung zugelassen. 2004 und 2008 wurde dies verboten, nachdem spanische Sportler 2000 eine geistige Behinderung vorgetäuscht hatten.
