Dangast - Am Ende landeten sie alle im Wasser: Beim Flugtag in Dangast holten sich die neun teilnehmenden tollkühnen Piloten nasse Füße. Einer bleib allerdings auf dem Trockenen sitzen: Der 79-jährige Dieter Suhr. Als ältester Nichtteilnehmer mit Fluggerät war er aus Südbäke mit seinem umgebauten Fahrrad nach Dangast gekommen. „Das ist eine muskelkraftbetriebene Drohne, damit kann ich das Geschehen von oben betrachten“, scherzte er und meinte: „Ich habe Spaß an solchen Sachen und bin als interessierte Randfigur hier.“

Spektakuläre Flüge in Dangast, Teil 1

Das Geheimnis seines nicht funktionierenden Fluggeräts seien die Flügelmuttern, mit denen die Flügel befestigt sind. Allerdings hätte sich nach einem Test das Bundesluftfahrtamt bei ihm gemeldet und einen Start untersagt. Ebenso verwehrte ihm Mitorganisator Hannes Friedek eine Teilnahme am Dangaster Flugwettbewerb, denn es durften keine sinkbaren Teile für den Bau der Fluggeräte verwendet werden.

So bestand die von einem Team um Arne Schechterle aus Oldenburg gebastelte Flugmaschine nur aus Holz und Stoff. „Das ist eine nachgebaute Boeing vom Typ Max3. Dafür habe ich ausnahmsweise eine Sonderstarterlaubnis für Dangast erhalten“, berichtete er.

Ein wie ein Kleinflugzeug aussehendes mit viel Papier und Kunststoffrohren bebautes Gebilde wurde von Pilotin Jana vom Team Enera gesteuert. Nach ihrem Reinfall ins Hafenbecken meinte sie: „Eigentlich hab ich ja Flugerfahrung, auf meiner Reise nach London war die Flugstrecke allerdings weiter.“ Natürlich plumpste auch sie nach gut anderthalb Flugmetern ins kühle Nass. Dennoch heimste sie nach anspruchsvoller Berechnung und Auswertung von Flugstrecke und Zuschauerbeifall den Sieg bei dieser rasanten Flug-Bade-Show ein.

Spektakuläre Flüge in Dangast, Teil 2

Nach zwölf Jahren Pause wurde am Samstagabend der legendäre Flugtag reaktiviert. Die waghalsigen Akteure versuchten mit Mal aufwendig gebauten, Mal simplen Fluggeräten das Hafenbecken zu überqueren, beim Pegelhäuschen zu wenden und wieder sicher zu landen. Unter ihnen war auch Hannes Friedek. „Ich bin schon ein bisschen enttäuscht, dass ich nicht um das Pegelhäuschen gekommen bin“, sagte er, als er klitschnass aus dem Hafenbecken stieg. „Ich bin aber sogar etwas ins Gleiten gekommen.“

Den Flugtag hatte vor 40 Jahren die Aktionsgruppe „Menschenmüll“ ins Leben rief. Und auch diesmal lockte die Veranstaltung laut Friedek „mehrere Tausend Zuschauer“ an die Mole. Nicht zuletzt deshalb zog er ein positives Fazit der Neuauflage. „Damit sind wir sehr zufrieden, auch wenn kurzfristig noch ein paar Piloten abgesagt haben. Aber die Hürde mitzumachen, ist im ersten Jahr meistens sehr hoch“, sagte er.

Auch im nächsten Jahr soll dann wieder ein Flugtag am Dangaster Hafen stattfinden. „Wir müssen sehen, was die Stadt dazu sagt und auch Dangast“, hofft Hannes Friedek auf weitere Starts vom Deich. „Der Flugtag in Dangast hat eine große Tradition, und wir sind dankbar, dass Menschenmüll uns gestattet hat, diese fortzuführen.“

Olaf Ulbrich
Olaf Ulbrich Kanalmanagement (Ltg.)