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NWZonline.de Sport

Das verrückte Jahr der Yusra Mardini

26.12.2016

Berlin Yusra Mardini ist umringt von Kindern. Einige umarmen die syrische Schwimmerin, andere verabschiedet sie mit dem Gruß High-Five. Der Star des Flüchtlingsteams bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro ist an diesem Tag im Dezember zu Gast an der Grundschule am Amalienhof in Berlin-Spandau. Zusammen mit ihrem Betreuer und Trainer Sven Spannekrebs hat sie den Sportunterricht der Drittklässler geleitet. „Ich liebe Kinder, sie sind so verspielt und offenherzig“, sagt die 18-Jährige. Sie hat seit ihrer Flucht aus Damaskus seit über einem Jahr in Berlin eine neue Heimat gefunden.

Der Besuch der Schule unter dem Motto „Berlin hat Talent“ ist nur eines von mehreren Projekten, das Mardini seit ihrer Rückkehr aus Rio in diesem Sommer unterstützt. „Ich möchte etwas zurückgeben. Nicht jeder hatte so viel Glück wie ich“, betont die immer fröhlich wirkende junge Frau mit den wachen, schwarzen Augen.

Durch ihre filmreife, dramatische Flucht mit einem gekenterten Boot ist die junge Syrerin zu einer Art Medienstar geworden. Die Anfragen aus aller Welt sind nach den Sommerspielen kaum weniger geworden. „Wir haben nach Rio von 50 TV-Stationen das Angebot für einen Film oder eine Dokumentation über ihr Leben erhalten“, berichtet Spannekrebs. Hollywood sei nicht ihr Traum, sagt sie: „Cool wäre es aber schon.“

Mardini blickt auf bewegende Ereignisse zurück. „Das war ein verrücktes Jahr“, sagt sie: Olympia, die Bambi-Verleihung an ihre Schwester und sie, aber auch die Treffen mit dem scheidenden US-Präsidenten Barack Obama bei der UN in New York oder dem Papst in Rom. „Ich habe so viele neue Menschen kennengelernt“, erzählt die Schwimmerin: „Erst zwei Tage später habe ich realisiert, mit wem ich da alles geredet habe.“

Obama sei „cool“ gewesen. Auf die Frage, wie das Treffen im Vatikan mit Papst Franziskus verlaufen sei, antwortet sie: „Ich habe ihm Hallo gesagt“, und lacht danach. Spannekrebs fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Jetzt warten wir auf eine Gelegenheit, auch Lionel Messi kennenzulernen. Vom FC Barcelona haben wir noch keine Einladung bekommen.“

Ihre Unbekümmertheit hat sich die junge Frau trotz des Rummels um ihre Person bewahrt. „Sie ist sehr bodenständig und tritt in der Schule wie ein ganz normaler Schüler auf“, erzählt Spannekrebs. Künftig möchte er die Betreuung Mardinis abgeben und seiner herkömmlichen Aufgabe nachgehen: die Schwimmerinnen und Schwimmer bei den Wasserfreunden Spandau 04 trainieren. Um das Management der Athletin kümmert sich nun Marc Heinkelein von der Management-Agentur Stagefield.

Das Schicksal vieler Flüchtlinge und der Menschen in Syrien gehen Mardini nahe. „Wenn ich Nachrichten über Aleppo im Fernsehen sehe, gehe ich auf mein Zimmer und weine.“ Bei den Gedanken an ihre Freunde im heimatlichen Damaskus kommt Wehmut auf. „Manchmal denke ich, was mache ich hier eigentlich“, gibt sie zu. Doch dann erinnert sie sich daran, dass sie ihre Position nutzen möchte, um anderen Menschen zu helfen und Mut zu verbreiten.

Als neuer Helfer des UN-Flüchtlingswerkes UNHCR möchte sie auf die Situation der in Angst und auf der Flucht lebenden Menschen aufmerksam machen. In Berlin plant sie, kostenlos Schwimmunterricht anzubieten. In der Hauptstadt hat sie eine zweite Heimat gefunden. Hier geht sie in die 9. Klasse einer Sportschule, wohnt zusammen mit ihren beiden Schwestern und der Mutter in einer Wohnung. Der von der Mutter geschiedene Vater lebt ebenfalls schon länger in Berlin und hofft als Schwimm-Coach arbeiten zu können.

Mardini sieht vorerst in Deutschland ihre Zukunft. „Die nächsten fünf Jahre werde ich auf jeden Fall in Deutschland bleiben. Hier habe ich ein neues Leben begonnen.“

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