Delmenhorst/Sandkrug - Das Derby in der Handball-Oberliga hat gehalten, was es versprochen hat. Es war hart umkämpft und fair zugleich, es verlief bis weit in die zweite Halbzeit hinein dramatisch und spannend, und es sah am Ende die Mannschaft vorne, die auch leicht favorisiert in das Spiel gegangen war. Durch einen 28:25 (13:11)-Erfolg gegen die TSG Hatten-Sandkrug baute die HSG Delmenhorst ihre Serie auf sechs Erfolge nacheinander aus und festigte Platz drei in der Tabelle, während die TSG nach zuletzt zwei Siegen am Stück durch die Niederlage wieder etwas tiefer in den Abstiegsstrudel gerät.
die trainerstimmen
Bester Stimmung war nach dem Abpfiff HSG-Trainer Jörg Rademacher: „Wir haben wieder einmal gesehen, dass die Derbys ihre eigenen Gesetze haben. Wir mussten die kompakte gegnerische Deckung in Bewegung bekommen, das ist uns über Strecken gut gelungen.“ Das Vorhaben habe Mitte der ersten Hälfte zunehmend besser funktioniert. Hauke Rickels, sein Pendant aufseiten der TSG, ärgerte sich über eine vergebene Chance: „Wir hätten hier recht einfach etwas mitnehmen können, haben es mannschaftlich aber nicht auf das Feld bekommen und auch zu viele Chancen vergeben.“
die erste halbzeit
Es entwickelte sich von Beginn an ein interessantes, jedoch kein hochklassiges Derby. Beide Mannschaften leisteten sich im Spielaufbau viele Fehler, worunter die Kombinationen sehr litten. Dafür blieb man auf Augenhöhe, ein offener Schlagabtausch entwickelte sich. Eindrucksvoll wird das auch von den Zwischenständen untermauert: 3:3 (9. Minute), 6:6 (18.), 11:11 (28.). „Alles super bis dahin“, urteilte TSG-Trainer Rickels hinterher, „wir haben taktisch super gespielt, bärenstark verteidigt und vorne recht gut getroffen.“ Besonders der Mittelblock um Jonas Schepker und Till Schinnerer, der auch im Angriff einen stetigen Unruheherd für die Deckung der HSG darstellte, zeigte sich in ausgezeichneter Verfassung. In den letzten Minuten vor der Pause wurde die TSG in der Offensive nachlässiger und geriet so mit 13:11 in Rückstand. „Da waren ein paar unglückliche Aktionen dabei“, sagte Rickels, „bis hierher war das Ergebnis für Delmenhorst sehr schmeichelhaft.“
die zweite halbzeit
Die Nachlässigkeiten waren auch nach Wiederanpfiff präsent. Razvan Ghimes scheiterte zweimal per Gegenstoß und Andre Haake per Siebenmeter am herausragenden HSG-Keeper Sönke Schröder. Die Gastgeber – angeführt von Spielmacher „Fino“ Oetken – zogen bis auf auf 19:14 davon. Oetken setzte seine Mitspieler wiederholt geschickt in Szene. „Hier lag der große Unterschied“, so Rickels, „bei uns lief es individuell ordentlich, aber es fehlte das Einbinden der Nebenleute.
Die HSG versäumte es, den Sack in der Folge zuzumachen. „Ich ahnte, dass es eine Gefahr war, zu früh zu hoch zu führen“, sagte Rademacher. Sandkrug kämpfte vor den etwa 50 mitgereisten Fans, kam auch noch auf 21:20 (49.) heran, zu mehr reichte es aber nicht. Die HSG um den sehr starken Tim Coors fuhr die Punkte ein.
das fazit
Die TSG verpasste es, einen Punkt mitzunehmen. „Wir haben am Ende nicht mehr die Traute gehabt, waren in unseren Aktionen nicht mehr entschlossen genug“, so ein sichtlich enttäuschter Rickels. Derweil lobte Rademacher seinen Torhüter Schröder: „Er hat uns in den wichtigen Phasen den Rücken frei gehalten. Ich freue mich über den Erfolg.“
