DELMENHORST - Die Euphorie ist in der ganzen Stadt praktisch greifbar. In den Delmenhorster Kneipen laufen die alten SV Atlas-Songs rauf und runter, in den Diskos tanzen junge Mädchen im Atlas-Dress. Die Band Wir hatte unlängst sogar einen Song zur Neugründung des Vereins verfasst. Wir haben keine Ahnung, wer sich dahinter verbirgt, erklärt Thomas Hebgen, Teammanager des im April neu gegründeten Delmenhorster Traditionsvereins SV Atlas Delmenhorst.
Bekannt ist ihm nur soviel: Die Euphorie momentan ist enorm. Gerade jetzt, vor dem ersten Spiel der Blau-Weißen seit zehn Jahren. Der Gegner ist ein alter Bekannter: Mit der U23 des VfB Oldenburg kommt am Sonntag, 17 Uhr eine weitere Traditionsmannschaft aus dem Nordwesten ins Stadion an der Düsternortstraße. Im Internet ist die Stimmung vor dem Spiel bereits Bundesliga-tauglich: Bei Facebook gab es bereits schon 300 Zusagen für das Spiel, 2500 Einladungen wurden dort verschickt, erklärt Hebgen. Für eine Mannschaft aus der Kreisklasse mehr als bloß beachtlich.
Eindeutig: Die Stadt ist im Atlas-Fieber. Der Traditionsverein, der 2002 Insolvenz anmelden musste, war in diesem April neu gegründet werden. Seitdem ist der Zulauf enorm, erklärt der neue Spielertrainer Michael Magic Müller.
Mit Müller kehrt ein bekanntes Gesicht zurück an die Delme. Der Stürmer spielte bereits zu Regionalliga-Zeiten für die Delmenhorster. Als damals die Anfrage kam, ob ich hier Trainer werden wolle, musste ich nicht lange überlegen. Ich hatte hier damals soviel Spaß, erinnert sich Müller zurück.
Ich habe Müller damals noch spielen sehen, berichtet Tammo Renken, auf dessen Initiative die Neugründung erfolgte. Doch viele junge Fans und auch Spieler strömen zu Atlas, ohne jemals ein Spiel der Blau-Gelben gesehen zu haben. Der Verein ist nie wirklich verschwunden, versucht Renken den Mythos Atlas zu erklären. Die Leute haben sich über das Internet vergangene Spielreportagen angehört oder die alten Songs gehört. Zudem habe es nie eine Mannschaft geschafft, die durch die Atlas-Insolvenz entstandene Lücke zu füllen.
Doch trotz aller Euphorie. Wir wollen hier langfristig etwas aufbauen und müssen auf dem Teppich bleiben, so Thomas Hebgen. Wenn wir jetzt scheitern sollten, wäre der Name Atlas praktisch verbrannt, weiß Hebgen um die große Verantwortung, die sie tragen. Nicht nur für den Verein sondern beinahe für die gesamte Stadt.
