Oldenburg - Ronald Maul könnte es sich einfach machen. 15 Spiele in Serie hat der SV Meppen in der 3. Fußball-Liga nicht gewonnen. Die Emsländer stehen am Tabellenende – und im Derby an diesem Samstag (14 Uhr/live im NDR) gegen den VfB Oldenburg massiv unter Druck. Noch ein Misserfolg gegen den Aufsteiger und SVM-Trainer Stefan Krämer müsste doch so langsam mal weg sein, oder? Mitnichten, sagt der Geschäftsführer des SV Meppen.
Nicht schwarz und weiß
„Wir haben uns ja vor der Saison bewusst für einen Weg entschieden“, holt Maul aus, warum er trotz der bisher enttäuschenden Saison – und das ist im heutigen Profifußball alles andere als an der Tagesordnung – an Krämer festhält. Es sei die Aufgabe der Vereinsführung, „alles regelmäßig zu bewerten“. Das tue er mit seinem Team ständig. „Ich habe auch ein paar Donnerstage Fußball gespielt in meinem Leben. Man merkt, ob es Probleme zwischen Trainer und Team gibt. Das kontrollieren und hinterfragen wir jeden Tag“, sagt der frühere Nationalspieler. Sein Ergebnis: Es passt mit Krämer. Viele Spiele seien eng gewesen, man habe sich teilweise „Slapstick-Gegentore“ gefangen. „Da können wir nicht sagen, der Trainer ist schuld. Es muss nicht so sein, dass man immer den Trainer rausschmeißt. Es gibt nicht immer nur schwarz und weiß“, betont Maul eindrucksvoll – und nennt noch einen weiteren Faktor: „Wir haben den zweiterfahrensten Trainer der Liga. Wer soll ihn denn ersetzen? Wir sind der Meinung, dass er für uns der richtige Mann ist.“
Der Erfahrungsvorteil leitet hin zu einem besonderen Duell an der Seitenlinie, das beim Derby vor bis zu 10 000 erwarteten Zuschauern in der Meppener Hänsch-Arena steigt. 281 Mal hat Krämer bisher in der 3. Liga ein Team gecoacht, nur Pavel Dovtchev (Erzgebirge Aue) liegt in der Rekordliste vor ihm. Arminia Bielefeld, Energie Cottbus, Rot-Weiss Erfurt, 1. FC Magdeburg, KFC Uerdingen und seit dieser Saison SV Meppen – Krämers Vita liest sich eindrucksvoll. Der 55-Jährige hat in der 3. Liga schon alles erlebt – ganz im Gegensatz zu seinem Gegenüber.
„Alles rausfeuern“
Denn da steht in Dario Fossi ein Liga-Neuling. 19 Spiele hat der 41-Jährige somit erst in Deutschlands dritthöchster Spielklasse erlebt, parallel zum Spielbetrieb hat er jüngst mit seinem Pro-Lizenz-Lehrgang begonnen. Fossis Drittliga-Einstand nach dem Aufstieg im Vorjahr verläuft gut – 19 Punkte halten den VfB fünf Zähler vor Meppen und zwei Punkte vor der Abstiegszone. Und doch weiß der Deutsch-Italiener, dass auf ihn und sein unerfahrenes Team ein weiter Weg zum Klassenerhalt wartet. „Es wird brutal schwer. Wir wissen, dass wir inzwischen anders wahrgenommen werden. Man hat letzte Saison gesehen: Viktoria Berlin hat als Aufsteiger eine tolle Hinrunde gespielt und ist dann abgestiegen“, sagt der VfB-Coach mit Blick auf die Rückrunde, lässt aber im nächsten Atemzug keinen Zweifel daran, dass er bereit ist, diesen schweren Weg zu gehen. „Wir müssen uns sicher auch ein Stück weit verändern in der Rückrunde, aber da freue ich mich drauf. Ich habe richtig Bock. Der Mannschaft macht das Spaß, dem Verein macht das Spaß. Wir werden 19 Spieltage alles rausfeuern. Wir sind jetzt in dieser 3. Liga und wollen da drin bleiben.“
Totale Überzeugung
Für den Klassenerhalt brauchen indes beide Teams im Derby ein Erfolgserlebnis, wenngleich der Druck wesentlich schwerer auf den Schultern der Meppener lastet. Ein Sieg und Meppen wäre wieder auf zwei Punkte am VfB herangerückt. Eine Niederlage und die Oldenburger wären mit acht Zählern Vorsprung weit enteilt. Die Personallage spricht für die Gäste: Sieben Ausfälle beklagte SVM-Coach Kramer zuletzt, beim VfB hingegen sind Rafael Brand und Nico Knystock wieder fit.
„Ich habe alle Mann an Bord“, freut sich der VfB-Trainer und sagt selbstbewusst mit Blick auf die beginnende Rückrunde: „Wir müssen an Nuancen arbeiten und die Fehler abstellen. Ich bin total überzeugt, dass wir am Wochenende gewinnen und dass wir die Klasse halten.“
