Schon das erste WM-Wochenende im Fernsehen hat gezeigt: Deutschland ist im WM-Fieber! Selbst bei vermeintlich wenig attraktiven Spielpaarungen waren fast 50 Prozent der eingeschalteten TV-Geräte auf dem jeweiligen WM-Kanal. Ob ARD, ZDF oder RTL: Alle erhalten das internationale Bild aus Südafrika und bedienen sich zusätzlich eigener Kameras. Erfahrene, internationale Regisseure sind bei der WM im Einsatz und sie verstehen ihr Handwerk.

Die Spiele werden sehr „total“ gefahren, der Zuschauer hat einen guten Überblick über das Geschehen auf dem Rasen. Die Zeitlupen werden sinnvoll, aber nicht übertrieben eingesetzt. Jedes Tor wird aus verschiedenen Perspektiven gezeigt, ohne dass man den nächsten Angriff nach dem Anpfiff versäumt.

Beispielhaft der Patzer von Englands Keeper Robert Green (in der Tradition der englischen Torhüter!): Erst wurde der wütende englische Gegenangriff gezeigt, dann in Ruhe der Pannen-Green. Die Regie wirkt sehr entspannt und verliert sich nicht in Nebensächlichkeiten, sie zeigt die Emotionen.

Das Ärgernis aber ist der Ton. Die Vuvuzelas sind wirklich nervtötend! Im Vorfeld wurden sie überall vorgestellt und jeder versuchte, diesem Instrument Töne zu entlocken – meist mit wenig Erfolg. Die Afrikaner aber sind in dieser Beziehung schon Weltmeister.

Auf Kosten der Stimmung in den Stadien und unserer Gehörgänge. Man hört kaum Sprechchöre der Fans, die Anfeuerungsrufe gehen im Einheitsgedröhn der Vuvuzelas ebenso unter wie die „Aaahs“ und „Ooohs“ bei Torschüssen oder schönen Paraden. Beifall hört man gar nicht. Selbst die Spieler hören oft den Pfiff des Schiedsrichters nicht.

Natürlich gehören diese Instrumente zur afrikanischen Kultur. Aber es ist trotzdem schade, denn die für uns gewohnte Stadionatmosphäre klingt anders. Ich hab mir zwischen den Spielen eine alte Bundesliga-Aufzeichnung angesehen, damit ich das Stadiongefühl wieder hatte und endlich einen richtigen Torschrei hören konnten.

In den letzten knapp zwanzig Jahren haben vor allem Premiere und Sat  1-ran dem Zuschauer – auch durch die verbesserte Tonqualität – das Gefühl vermittelt, mitten im Stadion zu sein. Bei der WM in Südafrika ist man nur Zuschauer mit Geräuschkulisse.

Die kleine Ausnahme war beim Spiel England gegen die USA zu erleben. Vielleicht lag es am relativ kleinen Stadion, aber hier hörte man zumindest ab und zu, die englischen Fans während des Spiels ihre Hymne als Anfeuerung singen. Genützt hat es allerdings nicht viel.