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Die Ukraine und die Fußball-EM: Lammfromm

Hermann Lamberty

Die Frage stellte sich vor Olympia 2008 in Peking, aber auch gerade erst in Bahrain, wo die Formel 1 im Kreis fuhr. Und sie wird nun gestellt angesichts des Eurovision Song Contest demnächst in Aserbaidschan und der Fußball-Europameisterschaft wenig später in der Ukraine: Dürfen Sport und Show dort stattfinden, wo Autokraten und Despoten die Menschenrechte mit Füßen treten?

Selten geht es in der Politik eindeutig zu, ihr Handeln und ihre Ergebnisse liegen allzu oft in einer Grauzone und changieren zwischen Wahr und Falsch, Schwarz und Weiß, Gut und Böse. Auch die Antwort auf die Frage oben kann eigentlich nur heißen: Es kommt auf den Einzelfall an. So erscheinen Olympische Spiele in Nordkorea oder eine Fußball-WM in Syrien als völlig unmöglich – zu viel Unterdrückung, zu viel Gewalt, zu viel Not. Früher hieß es mal: Brot und Spiele. In diesen Fällen bekäme man: Blut und Spiele.

Aber die Ukraine ist eben kein Terrorstaat auf allen Ebenen, sondern ein Land, das in punkto Menschenrechte auf einen ziemlich schlechten Weg eingeschwenkt ist. Das ist ein Unterschied. Natürlich kann man argumentieren, eine Regierung wie die von Viktor Janukowitsch dürfe keine Bühne zur verlogenen Selbstinszenierung bekommen.

Andererseits wird über das Unrecht in China, Bahrain, Aserbaidschan und der Ukraine vor allem deshalb diskutiert, weil dort Großereignisse der Populärkultur stattfinden oder stattgefunden haben. Damit ist aber noch nicht viel erreicht: China hat sich nach seinem olympischen Flirt mit der Jugend der Welt eben nicht geöffnet.

Und es gab, gerade hier in Deutschland, ein eklatantes Beispiel dafür, dass es nicht reicht, nur teilzunehmen – und dann wird alles gut. Die Hitler-Diktatur gab sich 1936 als Gastgeber der Sommerspiele in Berlin lammfromm. Dass sich das Regime durch den bei Olympia obwaltenden Geist des Friedens allerdings in der Folge gemäßigt hätte, wird niemand ernsthaft behaupten mögen.

Was also jetzt tun im Fall der Ukraine und der Fußball-EM? Es wäre gut, wenn die Sportler hinfahren würden. Es wäre noch besser, wenn sich zusätzlich die Großsponsoren, die beim Kontakt mit Diktaturen sonst so wenig zimperlich sind, mal kritisch zu Wort melden würden. Am besten indes wäre es, wenn sich von den reisefreudigen Politikern Europas keiner auf der Ehrentribüne sehen ließe.

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lamberty@infoautor.de

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