Dinklage - Man muss sich Julia Middendorf als verspielten Menschen vorstellen. Wie anders ist zu erklären, dass die 13-Jährige in zehn Tagen 15 Tennismatches bestreitet in Einzel und Doppel? Zugegeben: Einen Tag, Montag vor einer Woche, hatte sie frei, und wäre sie nicht so erfolgreich, wären es deutlich weniger Partien gewesen. Aber Julia Middendorf sammelte in diesen zehn Tagen drei Titel, darunter den der deutschen U-13-Meisterin.

„Sie ist sehr zielstrebig und fokussiert auf das, was sie macht“, sagt Barbara Schneider, Mannschaftsführerin des TV Visbek, für den Middendorf in der Landesliga aufschlägt. 6:3, 6:1 – 6:1, 6:2 – 6:1, 6:0 – 6:4, 6:1. Was für ein lockerleichter Durchmarsch ins Endspiel von Ludwigshafen, wo die Junioren-Titelkämpfe des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) alljährlich stattfinden: Dort traf die Nummer eins der Setzliste mit Mara Guth (Nr. 2, Usinger TC) auf eine der wenigen gleichaltrigen Spielerinnen, die ihr gefährlich werden können.

Und das tat Guth. Den ersten Durchgang holte sie sich mit 6:2, ehe Middendorf ihr Spiel umstellte. Sie habe in dieser Phase die langen Ballwechsel mit der defensiv sehr gut eingestellten Gegnerin angenommen, berichtet Oliver Lange aus dem Trainerteam des Niedersächsischen Tennisverbandes (NTV). Trotzdem sah sich Middendorf einem 3:5-Rückstand ausgesetzt. „Die einzige Möglichkeit war, dass die andere Angst vorm Gewinnen kriegt“, sagt Lange. Middendorf kämpfte sich zurück, gewann Satz zwei 7:5 und blieb auch bei 1:3 im dritten Satz dran. Am Ende, als die Dinklagerin den Durchgang 6:4 für sich entschied, habe Guth dann etwas nachgelassen und: „Julias Wille war stärker.“

Keine 24 Stunden zuvor hatte sie an der Seite von Amelie Janßen, die aus dem Cloppenburger Raum stammt und für den HTV Hannover spielt, im Doppel-Finale die an zwei gesetzten Guth und Dana Heimen (TC Ludwigshafen) mit 6:7, 7:5, 10:2 in die Knie gezwungen.

Eingespielt hatten sich Middendorf, die als Einzige des Jahrgangs 2003 im sogenannten C-Kader-Hauptförderung des DTB steht, und Janßen bei den NTV-Meisterschaften der Frauen in Oldenburg. Im Halbfinale profitierten sie von der verletzungsbedingten Absage der Favoritinnen. Als eines der jüngsten Doppel setzten sie sich daraufhin 6:3, 7:5 gegen Marie-Charlot Lonnemann (DTV Hannover)/Merle Herold (SVE Wiefelstede) durch.

Tennis bleibt ein Einzelsport, in dem es auf viele Dinge ankommt, „es muss alles passen“, sagt Schneider: Technik, Taktik, Fitness, mentale Stärke, finanzielle Unterstützung, keine größeren Verletzungen und anderes mehr. „Julia ist taktisch und vor allem mental schon sehr weit für eine 13-Jährige“, sagt die Visbeker Mannschaftsführerin. Mit ihrem Team eroberte Middendorf einen Tag nach dem DTB-Finale die Landesliga-Tabellenspitze.

Zwei Siege zum 5:1 steuerte die Jüngste bei. Ob sie den möglichen Sprung in die Oberliga mitmacht, ist zumindest fraglich. Die Avancen aus Hannover nehmen eher zu. Der Verband würde sie gerne im Tennisinternat unterbringen.