DöTLINGEN - Thies Kaspereit schaute genau hin, ruhig und sachlich erklärte er den drei Reiterinnen in der Halle des Hofs zu Aschenbeck dann, was sie verbessern könnten. Damit bekamen diese Tipps von einem Olympiasieger. 1988 in Seoul wurde Kaspereit mit der deutschen Equipe Sieger des Vielseitigkeitswettbewerbs. Außer Dressur-Lektionen stand daher am Sonnabend und Sonntag in Dötlingen auch die Geländearbeit auf dem Programm.
Dass aus den Teilnehmern an dem zweitägigen Lehrgang sofort ebenfalls international erfolgreiche Reiter werden, stritt Kaspereit ab, der als Leiter der Akademie des Pferdes in Warendorf tätig ist. „Ich kenne keine Tricks, und ich habe auch keine Zauberkiste dabei“, sagte er. Das Ziel des Lehrgangs war aber auch etwas anderes. „Mir geht es darum, den Leuten am Anfang der Turniersaison grundlegende Anregungen zu geben. Es geht um Dinge, die schlechter werden, wenn man oft alleine reitet“, erzählte Kaspereit. Der Reitsport sei sehr komplex und koordinativ anspruchsvoll, deshalb sei es wichtig, dass es immer wieder Hilfen von Außen gibt. „Es sind oft grundsätzliche Dinge, die auch die Vereinstrainer erklären. Aber wenn sie dann jemand anderes auch anspricht, ist die Wirkung oft größer.“
Die Ausbildung in Vereinen wie der Waldreitschule Dötlingen sei auch für den Leistungssport wichtig. „Die breite Basis, die wir in Deutschland gerade im ländlichen Bereich haben, ist die Grundlage für unsere Erfolge“, sagte Kaspereit. „Es spielt auch nicht immer das Geld eine Rolle. Jemand, der wirklich gut reiten kann, findet jemanden, der ihm ein passendes Pferd zur Verfügung stellt.“
Kaspereit hofft, dass die Diskussionen um Doping im Pferdesport nicht dazu führen, dass es Nachwuchsprobleme gibt. „Wir haben eine große emotionale Bindung zum Pferd“, sagte er. Problematisch sei aber die frühe Spezialisierung. „Wer gut Springen kann, sitzt in der Dressur lockerer auf dem Pferd. Und gutes Dressurreiten hilft auch beim Springen.“
