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NWZonline.de Sport

Dramatische Szenen auf hoher See

20.06.2015

Wilhelmshaven Morgens um vier Uhr schrillen die Alarmglocken, um 6.30 Uhr werden die ersten Menschen aus einem Schlauchboot geborgen. „Bis 20.30 sind insgesamt sieben Boote mit mehreren Hundert Menschen evakuiert“, beschreibt Fregattenkapitän Rainer Muschalik militärisch knapp die Umstände seines ungewöhnlichsten Einsatzes. Der Kommandant der Fregatte „Hessen“ hat mit seiner Besatzung allein an einem Tag 880 Menschen aus dem Mittelmeer gerettet.

Am Freitag ist der Kapitän nach seinem Hilfseinsatz sicher nach Wilhelmshaven zurückgekehrt. Seine Fregatte „Hessen“ legte unter dem Jubel Hunderter Angehöriger im Heimatstützpunkt an. Muschalik erzählt relativ nüchtern von den bewegen Szenen, die er und seine Mannschaft erlebt haben.

Boote aufgeschlitzt

Mit Fotos von ähnlichen Rettungsaktionen der italienischen Marine hatte sich die „Hessen“ auf ihren Einsatz vorbereitet. „Die Bilder waren bekannt, unsere Leute waren darauf eingestimmt“, sagt Muschalik. Doch die Realität ist dann doch eindringlicher als erwartet. Eines der evakuierten Holzboote fasst allein die unglaubliche Zahl von 563 Menschen. Dort ist die Gefahr besonders groß, dass Insassen ins Wasser stürzen und nicht schwimmen können.

Vereinzelt hätten Flüchtlinge noch in dieser Lage ihr kleines Schlauchboot aufgeschlitzt, um so auf jeden Fall ihre Rettung zu erzwingen: „Völlig unnötig und gefährlich, wir mussten schreiende Menschen aus dem Wasser ziehen und andere mit Rettungswesten versorgen“, berichtet der Kommandant über diese Szene, die ihn am meisten bewegt hat.

Umso glücklicher ist er jetzt nach seiner Rückkehr nach Wilhelmshaven, dass alle diese hektischen Momente heil überstanden haben. Denn während andernorts Dutzende und Hunderte von Flüchtlingen ertranken, gab es bei dem deutschen Einsatz keine Toten. „Wir mussten nur kleinere Verletzungen säubern“, sagt Oberbootsmann Marcel Herrmann. Bei glühender Hitze seien die Helfer in ihren Schutzanzügen mächtig ins Schwitzen gekommen.

Babys an Bord gezogen

„Wir haben Kleinkinder und Babys an Bord gezogen. Das sind schon sehr emotionale Momente, die ans Herz gehen“, erinnert sich Timo Reckwerth an Bord der „Hessen“. „Aber es muss ja weitergehen: Denn nach den ersten Frauen und Kindern kommen noch mehr als 200 weitere Menschen.“ Die meisten Geretteten waren erst ein bis zwei Tage auf See, andere aber schon zwölf Tage. Aus welchen Ländern sie genau kamen, ist nicht immer klar. Und wie ihr weiteres Schicksal nach der Übergabe an die italienischen Behörden verläuft, auch das ist völlig ungewiss. Die deutschen Helfer wissen nicht, was aus den Menschen wird, die sie aus höchster Not gerettet haben. Und im Streit der europäischen Länder über die Verteilung der Flüchtlinge ist noch keine Lösung in Sicht.

Doch die Rettung aus Lebensgefahr habe den Flüchtlingen etwas Hoffnung gegeben, sie seien dankbar über die deutsche Hilfe gewesen. „Es war hier bei uns recht kuschelig, sie haben sich bei uns wohlgefühlt“, sagt Reckwerth: „Und das ist das Wichtigste.“

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