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Freizeit Dynamisch gegen den Strom

Elsfleth - Die Oberfläche auf der Hunte kräuselt sich nur leicht. Als die zehn Riemen fast gleichzeitig ins Wasser stechen, die Frauen Druck auf ihre Ruderblätter bringen und das Boot durch Muskelkraft schnell Fahrt aufnimmt, pulsieren Wellen ans Ufer. Angefeuert durch die Steuerfrau Paulina Janischewski, steigt der Puls der Ruderrinnen. Die 22-jährige Nautik-Studentin treibt die Frauen an. Ihre Kommandos hallen über die träge fließende Hunte.

Laute Kommandos

Das Kutterpullen hat Paulina Janischewski bei der Marine gelernt. Vielleicht auch deshalb ist sie mit dem rauen Ton, den die Seeleute manchmal einschlagen müssen, gut vertraut. Ihre lauten Kommandos „und weg“, „und weg“, „und lang“, „und lang“ kommen zwar monoton daher, stacheln die Ruderfrauen jedoch enorm an. Es ist schön, wenn sie die Ruderschläge präzise und rhythmisch ausführen. Nur dann ist das Boot im Takt, schiebt sich perfekt durchs Wasser.

Doch die Hunte ist tückisch, nicht nur an diesem sonnigen Abend. Das neue Frauenteam „AnneRiemen“ kämpft in Richtung Elsflether Werft gegen die Strom. Das zehrt an den Kräften. Es fällt nicht mehr so leicht, den Riemen perfekt in der Halterung, der sogenannten Runzel, zu halten. Zwar tauchen die Ruderblätter immer noch rhythmisch ins Wasser. Doch es fällt zunehmend schwerer, sie wieder aus dem nassen Element zu drücken und in die Auslage zu bringen.

Als die Eisenbahnbrücke gesichtet wird, legen die Frauen einen letzen Spurt ein. Nach 15 anstrengenden, druckvollen Schlägen ist es geschafft: Über ihnen rattern Güterwaggons, im Boot werden Weingummi gereicht. Verhaltener Jubel. Und auch die Steuerfrau freut sich. „Klasse, Mädels“, zollt sie der Leistung ihrer Crew Respekt.

In Fahrtrichtung befindet sich der Jungfernbug. Dort sitzt Rita Städtler. Sie hat das Team gegründet und besitzt bereits einige Erfahrung im Kutterpullen. Sie möchte diese Sportart nun bekannter machen in Elsfleth. 18 Frauen über 40 Jahre hat sie schon dafür begeistern können. „Wir befinden uns in einer Aufbruchstimmung“, erzählt sie. Rita Städtler pullt bereits in der dritten Saison, und das nicht nur auf der Hunte.

Die Kutterpullerinnen sind sich einig: Dieser fantastische Sport habe so viel zu bieten. Sie reden von Teamgeist, Ausdauer, Kraft und Technik. Man sei oft auf dem Wasser, und das bei fast jedem Wetter. Einige sitzen an diesem Tag zum ersten Mal mit im Boot. Die Begeisterung ihrer Kameradinnen steckt an. Die Schwielen an den Händen, die sich durch das malträtieren der Riemen langsam ausbilden, tuen der tollen Stimmung und dem Spaß, den man bei der Bewegung in freier Natur empfindet, keinen Abbruch.

Während der Verschnaufpause hat die Hunte das Boot mitgenommen. Das Team ist dicht an die Elsflether Werft getrieben. Paulina Janischewski übernimmt wieder das Kommando. „Riemen an überall“, ruft sie. Die Holzstangen liegen in der Runzel, über dem Wasser. Dann das „und zugleich“ der Steuerfrau. Die Kutterpullerinnen ziehen die Riemen durchs Wasser, das Boot nimmt mit kurzen Schlägen Fahrt auf. Die Bugwelle rauscht. „Hört ihr was?“, fragt die 22-Jährige keck. Will heißen, wir sind gut.

Anleger in Sicht

Der Anleger von Renate und Wolfgang Ennulat am Hunteweg ist erreicht. „Riemen auf“, heißt es. Die Fender werden Außenbords gehängt, der Kutter macht am Steg fest. „Warschau“ lautet nun das Kommando, um die Riemen nacheinander ins Boot zu legen. Das war ein klasse Törn, sind sich alle einig.

Immer mittwochs ab 18.30 Uhr und freitags ab 19 Uhr legen die Frauen für eineinhalb Stunden ab. Bis Oktober dauert die Saison. Sie werden in der kommenden Woche also wieder ins Boot steigen, um sich auf den Kutterpull-Wettbewerb bei den Elsflether Seefahrtstagen am 8. Juni vorzubereiten. Denn daran wollen sie teilnehmen, wie sie auf der Rückfahrt beschlossen haben. Das Kommando „und weg“, „und lang“ wird noch oft auf der Hunte erschallen.

Ulrich Schlüter
Ulrich Schlüter Redaktion Brake
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